Aus Alt(bau) mach Neu

Wien Energie bringt gemeinsam mit DenkMalNeo Altbauten energietechnisch auf den neuesten Stand.
Aktualisiert am: 05.04.2022
Farbenfrohe, historische Gebäude im europäischen Stil mit reich verzierten Fassaden und Fensterreihen im Sonnenlicht.

In den nächsten Jahren sollen Wiener Altbauten energietechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Eine Kooperation zwischen Wien Energie und DenkMalNeo soll diese Umstellung nun beschleunigen.

In Wien wurden rund 53.000 Gebäude mit 420.000 Wohnungen vor 1945 errichtet. Die meisten dieser Häuser – und noch mehr – werden mit Erdgas oder Erdöl beheizt. Laut Statistik Austria wird der Energieträger Erdgas für 443.000 Wohnungen zum Heizen eingesetzt, Heizöl oder Flüssiggas kommt immerhin bei 10.000 Wohneinheiten zum Einsatz. Bekanntermaßen hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. „Das bedeutet, dass wir noch 18 Jahre Zeit haben, raus aus Gas und Öl zu kommen“, sagt Helga Noack, Geschäftsführerin von DenkMalNeo.

Umrüstung auf umweltfreundliche Energiesysteme

DenkMalNeo, ein auf denkmalgeschützte und historische Gebäude spezialisierter Dienstleister, kooperiert deshalb seit Kurzem mit Wien Energie. Ziel ist es, auf Bezirks- und Quartiersebene Schritte Richtung energetische Umrüstung in die Wege zu leiten. Die Initiative startete Anfang des Jahres in Rudolfsheim-Fünfhaus, einer Art Pilotbezirk. Dort wurden kürzlich 530 Hausbesitzer angeschrieben. Danach soll es in Ottakring, der Leopoldstadt und Landstraße weitergehen.

DenkMalNeo und Wien Energie bieten dabei an, die Hausbesitzer*innen bei der Analyse, der Planung und Umsetzung von baulichen Maßnahmen zu unterstützen sowie Wirtschaftlichkeitskonzepte zu erarbeiten und Fördermöglichkeiten zu eruieren. „Die Kooperation von Wien Energie und DenkMalNeo ist ein Angebot an Eigentümer*innen alter Gebäude, im Zuge von Renovierungsarbeiten auf moderne und umweltfreundliche Energiesysteme umzusteigen“, sagt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie Geschäftsführung.

Um die Klimawende zu schaffen, müssen jedes Jahr 24.000 Wohnungen auf eine dekarbonisierte Energieversorgung umgestellt werden: Energiekonzepte müssen erstellt, Bauphysiker*innen, Klimatechniker*innen, Heizungsbauer*innen und Baufirmen beauftragt werden – das dauert. „Die Zeit drängt. Wir sollten mit der Umrüstung sofort beginnen, sonst scheitern wir“, so Noack.

Bestehende Infrastruktur kann für Fernwärme genutzt werden

Doch wie werden altehrwürdige Altbauten energetisch nachhaltiger? An der Außenhülle, sprich, den Fassaden, können keine thermischen Maßnahmen in Form von Dämmungen gesetzt werden. Bleibt nur, den Energieträger von fossil auf erneuerbar zu wechseln. In Wien bietet sich dafür ein Anschluss an das gut ausgebaute Fernwärmenetz an. Bestehende Schächte und Leitungen, etwa von Kaminen und Gasleitungen, können für die Infrastruktur der Fernwärme genutzt werden.

Allerdings können nicht alle Zinshäuser an die Fernwärme angeschlossen werden. In diesem Fall braucht es andere Lösungen: etwa Luft- und Abwärmepumpen, Bauteilaktivierung oder aber Solarthermie. Oft ist eine Koppelung mit Photovoltaikanlagen für den Betrieb der Pumpen sinnvoll. „Welche Lösung sinnvoll ist, richtet sich nach den Gegebenheiten vor Ort wie Lage, Größe und Ausrichtung des Hauses“, sagt Helga Noack. „Deshalb schauen wir uns jedes Objekt vorerst einmal einzeln an.

Es bietet sich an, dass Umrüstungsmaßnahmen gleich für ganze Häuserblocks – und nicht einzeln für jedes Haus alleine – geplant werden, damit etwa aneinandergrenzende Dachflächen für größere Solarenergieprojekte genutzt werden können. Noack: „Es wäre sinnvoll, wenn sich hier Nachbar*innen zusammentun.“

Energiesanierung Altbau Wien » DenkMalNeo im Interview