Corona: 53 Mitarbeiter gehen in Isolation

53 Wien Energie-Mitarbeiter ziehen vorübergehend auf Kraftwerksgelände, damit die Menschen weiterhin Licht, Heizung und warmes Wasser haben.
Aktualisiert am: 20.03.2020
Zimmer mit mehreren Einzelbetten, jeweils mit gefalteter Bettwäsche darauf. Schreibtische und Stühle an den Wänden. Isolationsstationen in Spittelau, Flötzersteig und Simmeringer Haide.

Von der Außenwelt abgeschnitten

Strom und Fernwärme werden den Wiener*innen auch in Zeiten des Coronavirus garantiert zur Verfügung stehen. Wien Energie bereitet sich schon seit Wochen auf diese Situation vor. In den Abfallverwertungsanlagen Spittelau, Flötzersteig, Simmeringer Haide und dem Kraftwerk Simmering wurden Isolierstationen vorbereitet.

Für Wien: Freiwillig von Familien getrennt

53 Mitarbeiter haben sich freiwillig dazu bereit erklärt, sich für die kommenden Wochen im Dienste der Wiener*innen von ihren Familien zu trennen. Sie sind direkt zu den Anlagestandorten von Wien Energie gezogen. Dort sind die Mitarbeiter von der Außenwelt abgeschnitten, um eine Ansteckung mit allen Möglichkeiten zu verhindern. Vor der Isolation wurden alle medizinisch getestet.

An alles gedacht

Die Vorbereitungen für die Isolation wurden in kürzester Zeit gemeistert. „Wir sind als Energieversorger auf Krisensituationen vorbereitet. Trotzdem ist das eine besondere Situation: In wenigen Tagen wurden bei unseren Kraftwerken und Abfallverwertungsanlagen komplette Wohncontainer aufgestellt, provisorische Kraftwerkssteuerungen errichtet oder Besprechungszimmer zu Schlafsälen umgebaut“, so Alexander Kirchner, Leiter Betrieb bei Wien Energie und verantwortlich für alle Erzeugungsanlagen.

„Es wurden Betten aufgestellt, Kücheneinrichtung und Waschmaschinen besorgt. Ein Schichtarbeiter übernimmt sogar die Kochaufgaben für seine Kollegen. Wir tun alles, damit die Mitarbeiter vor Ort gut versorgt sind.“ Wien Energie bietet darüber hinaus in dieser herausfordernden Zeit für alle Kolleg*innen arbeitspsychologische Betreuung an.

Wien am Laufen halten

Den abgeschotteten Mitarbeiter kommt eine besondere Verantwortung zu. Sie sind die Garantie für den sicheren Betrieb aller Kraftwerke und Abfallverwertungsanlagen, auch wenn es zu einer größeren Infizierung kommen sollte. „Es ist schon eine besonders schwere Entscheidung, sich auf unbestimmte Zeit von seinen Lieben zu verabschieden“, erzählt Steven Schacher.

Der 24-Jährige hat bei Wien Energie schon seine Lehre gemacht und arbeitet seit zwei Jahren in der Schicht. Er und fünf seiner Kollegen wohnen jetzt bis auf Weiteres auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage Flötzersteig. „Unser Job ist es, dafür zu sorgen, dass die Anlagen zu jeder Zeit laufen und Wien mit Strom und Wärme versorgt wird.“

Die Mitarbeiter rücken dann ein, wenn es sonst keiner mehr könnte: Ihre Aufgaben reichen von der Steuerung der Anlagen bis zur Wartung und – sofern notwendig – kleineren Reparaturen. Parallel läuft derzeit die Schicht normal weiter. Hier wurden die Dienstpläne gemäß Krisenmanagement angepasst, sodass etwa eine kontaktlose Übergabe zwischen den Schichten möglich ist.

Kundenservice weiterhin erreichbar

"Wir bleiben für euch hier, bleibt ihr für uns zuhause" – unter diesem Motto läuft aktuell auch der Notbetrieb bei Wien Energie: Ein Großteil der Wien Energie-Mitarbeiter*innen ist derzeit im Homeoffice. Der Service Treff Spittelau sowie der Service Point Guntramsdorf sind geschlossen.

Der Kundenservice ist weiterhin über die Wien Energie-Website sowie telefonisch erreichbar. Die gesamte Technik wurde binnen kürzester Zeit so umgestellt, dass alle Kundenanliegen weitestgehend aus dem Homeoffice bearbeitet werden können. Bautätigkeiten und Störungseinsätze werden nur dann durchgeführt, wenn sie der Erhaltung der Versorgungssicherheit dienen.

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