Das neue Parlament: moderne Technik hinter alten Mauern
Das 140 Jahre alte Parlament an der Wiener Ringstraße wurde nach achtjähriger Sanierung zu einem zeitgemäßen Haus der Demokratie – samt nachhaltiger Energieversorgung und modernem Umweltmanagement.
Aufwändige Sanierung des Parlaments
Die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes mit 1.600 Zimmer, so wie das Österreichische Parlament es ist, ist ganz schön aufwendig: Rund 500 Luster und Leuchten wurden demontiert, gereinigt, neu verkabelt und wieder montiert. Viele davon erhielten eine bewegungs- und tageslichtabhängige Steuerung und eine energiesparende LED-Technik. So auch die beiden riesigen Radluster im Bundesratssaal, die persönlich vom Architekten des Gebäudes, Theophil Hansen, vor mehr als einem Jahrhundert entworfen wurden.
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Gut Ding braucht Weile

Gut acht Jahre hat es gedauert, um das Parlament, eines der wichtigsten und größten historischen Gebäude Österreichs, zu sanieren. Die Modernisierung der Beleuchtung war dabei nicht unbedingt die schwierigste Aufgabe. Beispielsweise musste der 650 Kilogramm schwere Wappenadler aus Stahl im Sitzungssaal des Nationalrates, ein durchaus bekanntes Symbol für das parlamentarische Geschehen, abmontiert werden. Das gelang nur durch den Einsatz eines Krans. „Die größte Herausforderung war, die historische Substanz mit technischen und nachhaltigen Lösungen zu kombinieren“, sagt Dietmar Nestlang, Leiter des Dienstes IKT & Innovation & Infrastruktur in der Parlamentsdirektion.
Anschluss an Fernwärme und Fernkälte von Wien Energie
Einer der Schwerpunkte bei der Sanierung des Gebäudes lag auf Nachhaltigkeit. Schon bei den Sanierungsarbeiten kamen schadstoffarme Baumaterialien zum Einsatz, die Gebäudehülle wurde gedämmt und mehr als 700 Fenster thermisch saniert. Im laufenden Betrieb wird das Parlament mit Ökostrom von Wien Energie versorgt. Außerdem wurde das Haus an die Fernwärme und an die Fernkälte von Wien Energie angeschlossen.
Da die Kühlung im Sommer immer wichtiger wird, ist der Anschluss an die Fernkälte ein wichtiger Baustein in der nachhaltigen Energieversorgung. Die Fernkälte wird in eigenen Zentralen mit hocheffizienten Kältemaschinen in Form von kaltem Wasser erzeugt, was im Vergleich zu herkömmlicher Klimatisierung im Schnitt 70 Prozent an Energie und 50 Prozent CO₂ spart. Für den Anschluss des Parlaments an das Wiener Fernkältenetz, das rund um den Ring und in den anliegenden Bezirken stetig ausgebaut wird, mussten im Gebäude komplett neue Rohre installiert werden: Rund 40.000 Quadratmeter Boden wurde deswegen abgebrochen und nach einer Technikinstallation wieder neu verlegt. Dabei mussten die Rohre teilweise in die Unterseite der Fliesen gefräst werden.
Wärme- und Kälterückgewinnung durch neue Belüftung

Ein weiterer großer Baustein in der Umstellung hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung ist das neue, hochmoderne Belüftungssystem. So gibt es nun im Untergeschoss des Parlaments vier neue Hauptlüftungsanlagen und mehr als 30 kleinere Anlagen, die das Parlament mit Frischluft versorgen. Die Anlagen saugen die Luft am Dach an, filtern sie und sorgen für eine Rückgewinnung von Kalt- oder Warmluft. „Durch die neuen Belüftungsanlagen ist die Luftqualität im Parlament wesentlich besser. Die Anlagen sind auch viel effizienter und reagieren schneller auf Veränderungen“, sagt Dietmar Nestlang.
Internationale Pionierrolle mit EMAS-Zertifizierung

Durch die vielen ökologischen Maßnahmen wurde das Parlament als eines der ersten Gebäude Österreichs, mit dem Nachhaltigkeitszertifikat „klimaaktiv GOLD“ ausgezeichnet. Und auch international übernimmt das Österreichische Parlament eine Vorreiterrolle: die Parlamentsverwaltung ist gerade dabei, das EU-Umweltmanagementsystem EMAS einzuführen – als erstes nationales Parlament weltweit. „Wir sind mit anderen Parlamenten wie mit der Knesset in Israel oder dem EU-Parlament im Austausch, die sich ebenfalls im Umweltbereich engagieren und wollen dieses Netzwerk weiter ausbauen“, sagt Eva Szigeti, Umweltbeauftragte in der Parlamentsdirektion.
Stetige Verbesserungen im Umweltbereich

Die Parlamentsverwaltung, in der 480 Mitarbeiter*innen beschäftigt sind, hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, auch in Zukunft kontinuierlich an Verbesserungen im Umweltbereich zu arbeiten. Ein großes Thema etwa ist die Mobilität. Zwar wurden im Zuge der Sanierung neue Fahrradabstellbereiche und E-Ladepunkte für Autos geschaffen. „Dennoch überlegen wir derzeit, wie wir Mitarbeiter*innen anspornen können, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu nutzen“, sagt Dietmar Nestlang.
Insgesamt mutet das Parlament nach der Sanierung sehr offen und modern an: Für Besucher*innen gibt es im Erdgeschoss nun gemütliche Lounge-Bereiche, ein komplett neues Besucher*innenzentrum und im Dachgeschoss einen großzügigen Gastro-Bereich mit Außenterrassen samt grandiosen Wien-Blick.
Mehr zu den Möglichkeiten für Besuche auf der Webseite des Parlaments.










