Energieausweis und Energiekennzahl einfach erklärt
Egal ob Verkauf, Vermietung, Verpachtung, Neubau oder Sanierung, die Vorlage des Energieausweises ist gesetzlich vorgeschrieben. Wir klären auf, was die wichtigsten Kennzahlen bedeuten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Energieausweis ist ein verpflichtendes Dokument bei Verkauf, Vermietung, Verpachtung, Neubau oder umfassender Sanierung eines Gebäudes.
- Er zeigt die energetische Qualität eines Gebäudes und ist vergleichbar mit einem Typenschein – nur eben für Immobilien.
- Heizwärmebedarf (HWB): Gibt an, wie viel Energie für Heizung benötigt wird.
- Primärenergiebedarf: Berücksichtigt auch die Energie, die für Gewinnung, Umwandlung und Transport aufgewendet wird.
- CO₂-Emissionen: Zeigen die Klimawirkung des Energieverbrauchs.
- Gesamtenergieeffizienz-Faktor (fGEE): Bewertet die Effizienz im Vergleich zu einem Referenzgebäude.
- Der Energieausweis ist 10 Jahre gültig und berücksichtigt auch klimatische Bedingungen sowie die Dämmqualität (U-Werte) der Bauteile.
- Er dient als Orientierungshilfe für Käufer*innen, Mieter*innen und Eigentümer*innen, um Energiekosten und Sanierungspotenzial besser einschätzen zu können.
Im Typenschein stehen die wichtigsten Informationen über ein Auto. Ähnlich ist es mit dem Energieausweis für Häuser, Wohnhausanlagen und andere Gebäude. Wenn man ein Haus kaufen oder bauen will, muss man sich mit dem Thema Energieausweis beschäftigen. Wir haben die wichtigsten Informationen dazu im Folgenden zusammengefasst:
Was ist der Energieausweis?
Ein Energieausweis zeigt die thermische Qualität des Gebäudes und stellt dar, wie viel Energie ein Haus oder eine Wohnung verbraucht. Die Kennwerte veranschaulichen, wie viel Energie im Jahr verbraucht wird, um ein bestimmtes Raumklima zu schaffen.
Seit 2012 ist die Vorlage eines Energieausweises bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung eines Gebäudes sowie bei der Baueinreichung und beim Förderantrag für Neubau und Sanierung gesetzlich vorgeschrieben. Dies ermöglicht eine schnelle Vergleichbarkeit von verschiedenen Gebäuden und Wohnungen. Ein erstellter Energieausweis ist für 10 Jahre gültig.
Käufer*innen und Mieter*innen erfahren auch, wie sie die Energieeffizienz des Gebäudes verbessern können.
Welche Informationen beinhaltet der Energieausweis?
Der Energieausweis umfasst Informationen über die Energiekennzahl (auch Heizwärmebedarf genannt), den Energiebedarf zur Warmwasseraufbereitung und die Verluste der Heiz-, Warmwasser- und Lüftungsanlagen. Darüber hinaus werden auch der Primärenergiebedarf, die CO₂-Emissionen und ein Gesamtenergieeffizienz-Faktor (fGEE) ausgewiesen.
Das ist wichtig, um zu wissen, wie viel Energie ein Haus braucht (= jährlicher Energiebedarf des Gebäudes). Diese Informationen sind sowohl beim Neubau, als auch beim Altbau wichtig.
Fachbegriffe im Energieausweis erklärt
Spezifischer Heizwärmebedarf (HWB)/Energiekennzahl
Der spezifische Heizwärmebedarf ist die eigentliche Energiekennzahl und wird in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) angegeben.
Die Energiekennzahl beschreibt die thermische Qualität des Wohngebäudes. Der HWB-Wert gibt Aufschluss über die Qualität der thermischen Gebäudehülle. Sie sagt aus, wie viel Heizenergie/Raumwärme das Gebäude pro Quadratmeter Bruttogrundfläche im Jahr benötigt.
Klimaregion
Im Energieausweis wird das Standortklima des Gebäudes berücksichtigt, um sicherzustellen, dass regionale klimatische Unterschiede in den Energiebedarf einfließen. So wird der tatsächliche Energiebedarf genauer ermittelt.
U-Wert
Der U-Wert beschreibt den Temperaturunterschied des Gebäudes zwischen Innen und Außen (= Wärmedurchgang pro Quadratmeter bei z. B. Fenstern, Wänden, Türen). Der U-Wert sollte möglichst niedrig sein.
Warmwasserwärmebedarf (WWWB) & Heiztechnikenergiebedarf (THEB)
Diese Kennzahlen beschreiben den Energiebedarf für die Warmwasserbereitstellung und den Energiebedarf für die Verluste der Heizungsanlage.
Endenergiebedarf
Der Endenergiebedarf beschreibt die erforderliche von außen zugeführte Energiemenge für Raumwärme und Warmwasser.
Bruttogrundfläche & Bruttogeschoßfläche
Die Brutto-Grundfläche ist die verbaute Grundfläche. Die Summe aller Flächen inklusive der Wände ist die Bruttogeschossfläche.
Gesamtenergieeffizienz-Faktor (fGEE)
Umfasst die Gebäudehülle und das Haustechnikkonzept. Der fGEE-Wert zeigt, wie viel Energie ein Haus braucht und wie viel Energie es erzeugt.
Wenn die Gebäudehülle nicht genug Energie spart, kann man durch eine bessere Haustechnik die Energieeffizienz erreichen.
Was bedeutet die Energiekennzahl/der Heizwärmebedarf für meine Heizkosten
Wer gerade auf Wohnungssuche ist, sollte den Heizwärmebedarf (HWB-Wert) besonders genau im Auge behalten. Immerhin gibt er Auskunft darüber, wie hoch ca. die zukünftigen Heizkosten sein werden.
Die Berechnungsformel geht von einer Raumtemperatur von 20 Grad aus. Natürlich hängen die tatsächlichen Heizkosten auch davon ab, ob man im Obergeschoß, in einer Randwohnung wohnt, oder die Wohnung sich in der Mitte des Gebäudes befindet bzw. welche Raumtemperatur zu Hause eingestellt wird.
Ist die Energiekennzahl/der Heizwärmebedarf für die eigene Wohnung nicht verfügbar, sondern nur für das gesamte Gebäude, kann man die Energiekennzahl für die Wohnung selbst berechnen. Hierzu multipliziert man die Wohnnutzfläche mal 1,25, damit auch die Innen- und Außenmauern mitberechnet sind. Dieser Wert ergibt dann deine Bruttogeschossfläche, welche mit dem Heizwärmebedarf (HWB-Wert) aus der Anzeige multipliziert wird.
Dies ergibt dann den Heizwärmebedarf pro Jahr in Kilowattstunden, wenn dieser Wert mit dem Strom- bzw. Gasverbrauchspreis multipliziert wird, erhält man eine Einschätzung darüber, wie hoch ca. die Heizkosten für das Jahr sein werden.
Rechenbeispiele mit verschiedenen Energiekennzahlen
Wir haben drei Musterbeispiele für eine Fläche von 50 m² zusammengestellt und erläutert, wie sich die Energiekennzahl auf die Heizkosten auswirkt. Bei 50 m² Wohnnutzfläche ergibt sich eine Bruttogeschossfläche von 62,5 m² (50 m² Wohnnutzfläche multipliziert mit 1,25).
| Heizwärmebedarf | HWB pro Jahr in Kilowattstunden* | Kosten für Stromheizung** | Kosten für Gasheizung** |
|---|---|---|---|
| Heizwärmebedarf 30 kWh/m²* | 1.875 kWh/m²a | 380,63 Euro/Jahr | 150 Euro/Jahr |
| Heizwärmebedarf 150 kWh/m²a* | 9.375 kWh/m²a | 1.903,12 Euro/Jahr | 750 Euro/Jahr |
| Heizwärmebedarf 250 kWh/m²* | 15.625 kWh/m²a | 3.171,88 Euro/Jahr | 1.250 Euro/Jahr |
*Heizwärmebedarf: Bruttogeschossfläche (62,5 m²) multipliziert mit dem HWB-Wert (Wert aus der linken Tabelle)
**Heizwärmebedarf pro Jahr in Kilowattstunden wird mit dem aktuellen Strom-Verbrauchspreis (20,3 Cent/kWh) oder aktuellen Gas-Verbrauchspreis (8 Cent/kWh) multipliziert.
Hinweis: Rechenbeispiel ist nicht gültig für Wärmepumpen, da hier die Jahresarbeitszahl mitberücksichtigt werden muss.
HWB-Wert-Tabelle: Energieausweis-Klassen im Überblick

Im Energieausweis wird der HWB-Wert (Heizwärmebedarf bzw. die Energiekennzahl) angeführt. Der Heizwärmebedarf ist vergleichbar mit den Effizienzklassen von Haushaltsgeräten: Je niedriger der Wert, desto weniger Heizenergie benötigt ein Gebäude.
Am wenigsten Heizenergie benötigt ein Gebäude oder eine Wohnung der HWB-Klasse A++, das entspricht einer Passivhausbauweise. Ein Passivhaus ist ein besonders energieeffizientes Gebäude. Durch eine sehr gute Dämmung, dichte Gebäudehüllen und eine kontrollierte Lüftung geht nur sehr wenig Wärme verloren. Dadurch wird nur sehr wenig zusätzliche Heizenergie benötigt.
Bei Werten bis maximal 25 kWh/m²a spricht man von einem Niedrigenergiehaus, bei Werten bis 50 kWh/m² von einem Energiesparhaus. Die durchschnittliche Effizienzklasse liegt jedoch bei D, der Heizwärmebedarf liegt hier zwischen 100 und 150 kWh/m²a. Wir haben die verschiedenen Energieeffizienz-Klassen zusammengefasst:
| Klasse | Heizwärmebedarf (HWB-Wert) | Erklärung |
|---|---|---|
| A++ | max. 10 kWh/m²a | Passivhaus-Gebäude (Neubau) |
| A+ | max. 15 kWh/m²a | Passivhaus-Gebäude (Neubau) |
| A | max. 25 kWh/m²a | Niedrigenergiehaus mit Komfortlüftung (Neubau) |
| B | max. 50 kWh/m²a | Energiesparhaus (Neubau) |
| C | max. 100 kWh/m²a | Niedrigenergiehaus, Neubau bzw. auch sanierte Häuser |
| D | max. 150 kWh/m²a | alte, unsanierte / teilweise sanierte Gebäude |
| E | max. 200 kWh/m²a | alte, unsanierte Gebäude |
| F | max. 250 kWh/m²a | alte, unsanierte Gebäude |
| G | über. 250 kWh/m²a | alte, unsanierte Gebäude |
Wie man in den Beispielen erkennen kann, spielt die Energiekennzahl eines Gebäudes/einer Wohnung eine sehr große Rolle bei den Heizkosten. Die Heizkosten kann man z.B. dadurch senken, dass man auf die richtige Raumtemperatur achtet. Auch Energiespartipps rund ums Thema heizen helfen, um Energiekosten zu sparen. Wer einen Energieausweis benötigt, kann sich gerne an unsere Energieberatung wenden.
Fazit
Der Energieausweis ist ein zentrales Dokument für die Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden – vergleichbar mit dem Typenschein eines Autos. Er liefert wichtige Kennzahlen wie Heizwärmebedarf und CO₂-Ausstoß und ist bei vielen baulichen und rechtlichen Vorgängen verpflichtend.
Für Eigentümer*innen, Käufer*innen und Mieter*innen bietet der Energieausweis eine transparente Grundlage zur Einschätzung von Energiekosten und Sanierungspotenzial. Wer die Kennzahlen versteht, kann gezielt Maßnahmen setzen, um Energie zu sparen und den Wohnkomfort zu erhöhen.


