Photovoltaik-Anlage Schafflerhofstraße: Lebensraum für Natur und Umwelt
Eine der größten Photovoltaikanlagen Österreichs befindet sich in Wien. Neben Sonnenenergie wird hier auch Gemüse geerntet und Schafe "mähen" die Wiese.
In Wien spielt die Photovoltaik für die Energiewende die größte Rolle: Jedes Dach, jede ungenützte Fläche wird gebraucht, um die Klimaziele zu erreichen. Das alleine wird aber nicht reichen; daher braucht es auch naturverträgliche Freiflächenanlagen - genau wie unsere in der Schafflerhofstraße. Aus einer ehemaligen Schotterdeponie wurde hier ganz im Sinne des Klimaschutzes ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen.
Im 22. Bezirk in der Donaustadt steht eine der größten Photovoltaik-Anlagen Österreichs: Die Schafflerhofstraße. Was das jetzt genau heißt? Die Anlage versorgt 8.700 Haushalte mit Strom. Und das Besondere daran ist, dass neben dem Erzeugen von Sonnenstrom 150 Jura-Schafe auf der 16,8 Hektar großen Anlage beheimatet sind.
Was kann die größte Photovoltaik-Anlage Wiens?
- Standort: Schafflerhofstraße, 1220 Wien
- Leistung: rund 17 Megawatt
- Jahresstromproduktion: 17 Gigawattstunden
- Fläche: 16,8 Hektar
- Sonnenstrom für 8.700 Wiener Haushalte
- 34.960 Photovoltaik-Module, davon 400 bifazial (doppelseitig)
- Die Photovoltaik-Anlage wurde von MaxSolar errichtet.
Vorteil von Photovoltaik und Landwirtschaft
Ein kleiner Teil der Anlage wurde als Teil eines Forschungsprojektes als Agrar-Photovoltaikanlage umgesetzt. Hier wird erforscht, wie Ackerbewirtschaftung und Sonnenstrom-Erzeugung zusammenspielen. Anstatt nur "normale" Module zu verbauen, wurden hier rund 400 bifaziale Module errichtet, diese stehen vertikal in Ost-West-Richtung und sind doppelseitig verbaut. Die bifazialen Module stehen in einem Abstand von 10 Metern, sodass zwischen den Modulreihen ein Traktor fahren und angebautes Gemüse ganz einfach ernten kann. Zwischen den Modulen wird zum Beispiel Winterweizen, Dinkel oder Soja angebaut.
Durch die bewirtschaftungsfreundliche Anordnung der Module reduziert sich zwar der Stromertrag je Fläche. Abhängig von der Pflanzenart verändert sich auch aufgrund des Modulschattens der Ernteertrag. In Summe erhöht sich die Flächeneffizienz aber deutlich. Durch die verringerte Sonneneinstrahlung verringert sich der Wasserbrauch und der Boden wird vor Austrocknung geschützt.
In den Vormittags- und Nachmittagsstunden haben die bifazialen Module ihre Produktionsspitzen. In Kombination mit den standardmäßig Süd ausgerichteten Modulen, welche ihre Produktionsspitze in der Mittagszeit haben, ergibt sich an einem sonnigen Tag ein gleichförmiges Produktionsprofil.
Diese Tierarten leben im Solarkraftwerk
Durch die spezielle Bauweise der Photovoltaikanlage wurde ein Lebensraum für Natur und Umwelt geschaffen. Hier können sich zahlreiche Tiere ansiedeln und die Biodiversität wird gesteigert. Die Fläche unter dem Solarkraftwerk dient von April bis Oktober als Weidefläche für 150 Jura-Schafe. Diese sorgen als natürliche Rasenmäher dafür, dass das Gras nicht zu hoch wird und können sich, falls es einmal regnet, unter den Modulen verstecken.
Darüber hinaus wurden rund 30 Vogelnistkästen installiert, um den lokalen Vögeln einen geschützten Platz zu bieten. In einem Schotterhaufen können sich Insekten oder andere Kleintiere ihr Zuhause einrichten. Am Gelände der Schafflerhofstraße gibt es aber nicht nur Insekten, Heuschrecken und Käfer - unter anderem wurden auch Feldhasen und Füchse auf dem Gelände gesichtet.
Auch in der Luft gibt es einiges zu sehen, unter anderem wurden nistende Mäusebussarde, Fasane, Bussarde und Turmfalken gesichtet.
Zwei Wiener Wildnis Fotografen haben sich auf die Lauer gelegt, und die Artenvielfalt dokumentiert.
Hybridkraftwerk: Eine Stromleitung für zwei Ökostrom-Anlagen
Wenn gerade besonders viel Strom zur selben Zeit produziert wird, kann es zu Produktionsspitzen kommen. Bei einer der größten Photovoltaik-Anlage Österreichs und generell bei Anlagen dieser Dimension kann das zur Herausforderung werden.
Die Photovoltaik-Anlage Schafflerhofstraße ist Teil eines „Hybridkraftwerks“. Sie hängt an derselben Stromleitung wie der Wien Energie-Windpark Andlersdorf. Dieser liefert mit bis zu 9 Megawatt Leistung ins Stromnetz. Wind- und Sonnenspitzen sind selten gleichzeitig, deshalb können beide Anlagen zeitgleich im Vollbetrieb laufen, ohne das Stromnetz zu überlasten.
Sollte trotzdem einmal mehr erneuerbarer Strom produziert werden, als gebraucht wird, kommt ein Puffer-Stromspeicher zum Einsatz. Er fängt Produktionsspitzen ab und speist den produzierten Sonnenstrom erst zu einem späteren Zeitpunkt ins Stromnetz ein. So können beide Anlagen optimal genutzt werden und der wertvolle Ökostrom geht nicht verloren.






















