Die Stadt der Zukunft
In den Städten ist der Klimawandel schon zu spüren. Aber wie können wir ihn hier stoppen? Wir haben 10 schlaue Ideen für die Stadt der Zukunft aus Wien und anderen Metropolen dafür aufgespürt.
Herausforderungen an die Stadt der Zukunft
Die Städte der Zukunft sollen komplett CO2-neutral sein. Wien wächst und so wie Wien geht es vielen Städten. Bis 2050 soll sich die Zahl der Menschen, die in Städten wohnen, verdoppeln. Die Menschen zieht es in die Stadt und gerade dort, wo auf engem Raum vieles zusammenkommt und viel gebaut wird, ist der Klimawandel bereits jetzt ein Thema.
Es wird immer heißer, oft fehlt der Schatten und kühlt nachts nicht mehr richtig ab. Stadtplaner*innen, Unternehmen und viele Bürger*innen arbeiten deshalb daran, die Auswirkungen und auch die Ursachen der Klimakrise in den Griff zu bekommen.
Manche Ideen sind bereits vielfach erprobt, andere schwirren erst in den Köpfen kreativer Vordenker*innen herum. Die Herausforderungen sind groß, aber auch die Zahl der Lösungsvorschläge wächst für die Stadt der Zukunft. Sowohl bei Wien Energie als auch in anderen Metropolen wird gerade installiert und ausprobiert, wie wir die Klimawende schaffen können und was uns den Sommer in der Stadt erträglich machen kann.
10 schlaue Ideen aus Wien und andere Metropolen
Hybride Kraftwerke

In der Schafflerhofstraße in Wien ging 2022 die größte Photovoltaikanlage Österreichs mit 17 Megawatt ans Netz. Sie versorgt 8.700 Wiener Haushalte mit umweltfreundlichem Strom. Das Besondere: Auf dem Gelände grasen 150 Jura-Schafe und ein Teil der Anlage ist so konzipiert, dass auch Gemüseanbau möglich ist.
So wurden 400 bifaziale Module errichtet – diese stehen vertikal und sind doppelseitig verbaut. In Städten werden naturverträgliche Freiflächenanlagen wie in der Schafflerhofstraße künftig eine wichtige Rolle spielen. Um die Energiewende zu schaffen, muss jede mögliche Fläche für Solarenergie genutzt werden.
Darüber hinaus ist die Photovoltaikanlage Teil eines „Hybridkraftwerks“. Sie hängt an derselben Stromleitung wie der Wien Energie-Windpark Andlersdorf. Dieser liefert mit bis zu 9 Megawatt Leistung ins Stromnetz. Sollten beide Anlagen zeitgleich viel Strom ins Netz einspeisen, kommt ein innovativer Pufferspeicher zum Einsatz, der diesen Strom temporär speichert.
Eine Schwammstadt sammelt das Regenwasser

Bisher galt: Regenwasser soll so schnell wie möglich über den Kanal abfließen. Im Konzept der Schwammstadt ist das anders. Denn dort sollen die Oberflächen der Stadt, wie etwa Böden, Straßen oder Dächer, das Regenwasser so lange wie möglich behalten und speichern. Dafür braucht es versickerungsfähige Flächen wie wasserdurchlässige Pflastersteine, Gründächer und Sickermulden.
Der Vorteil der Schwammstadt ist, dass Regenwasser zur Bewässerung direkt genutzt werden kann und durch Verdunstung die Umgebung kühlt. In der Seestadt Aspern und der Biotope City am Wienerberg wird dieses Konzept bereits umgesetzt.
Sensoren verhindern lange Staus

In einem groß angelegten Forschungsprojekt in Chicago, USA, messen hunderte Sensoren, die etwa über Ampeln montiert wurden, das Stadtgeschehen. So können Verkehrsflüsse optimiert, Überflutungen vorhergesehen und die Luftqualität gemessen werden. Sogar Tiere können damit erkannt werden, wie beispielsweise die nicht so gern gesehenen Ratten.
Ein Auto aus Plastikmüll
Studierende der Technischen Universität Eindhoven (Niederlande) haben ein Elektroauto aus Abfall wie Flachs, recyceltem PET und Polypropylen entwickelt. Das Material stammt aus Plastikmüll in den Meeren und Pflanzenfasern, die Polsterung der Sitze etwa besteht aus einer Kombination aus Pferdehaar und Kokosfasern. Der Name des kleinen Zweisitzers: Luca.
Insgesamt wiegt das Plastikmüll-Auto nur 420 Kilogramm, wovon allein 60 auf das Konto der Akkus gehen.
Reisen mit Schallgeschwindigkeit

Die Idee könnte aus einem Science-Fiction-Film stammen: Reisen mit Schallgeschwindigkeit. Doch tatsächlich treibt Tesla-Gründer Elon Musk die Entwicklung eines derartigen Hochgeschwindigkeitszuges tatkräftig voran. Mittlerweile ist auch der britische Unternehmer Richard Branson („Virgin Group“) daran beteiligt.
Der „Hyperloop“ gleitet in einer weitgehend luftleeren Röhre auf Luftkissen mit mehr als 1.000 km/h. Die Energie soll von auf der Röhre montierten Solarzellen generiert werden. Der Hochgeschwindigkeitszug könnte damit viele Strecken schneller als das Flugzeug zurücklegen. Die erste bemannte Testfahrt wurde vergangenen Herbst erfolgreich in der Wüste von Nevada durchgeführt. Dennoch sind die technischen Hürden bis zur Umsetzung noch groß.
Skifahren auf einer Müllverbrennungsanlage

In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen liefert die Müllverbrennungsanlage nicht nur Energie, sondern ist gleichzeitig ein urbaner Naherholungsraum, wo Nachhaltigkeit begehbar wird. Seit 2019 wird die Anlage nämlich dazu genutzt, eine 450 Meter lange Skipiste in 78 Metern Höhe zu betreiben.
Echten Schnee gibt es zwar keinen – die Piste wurde auf Plastikmatten eingerichtet –, dafür jede Menge Spaß. Und auch in Wien gibt es zukunftsweisende Energie-Projekte: So speist Wien Energie beispielsweise die Abwärme der Klimaanlage der UNO City dank einer Energie-Recyclinganlage in das Fernwärmenetz ein.
Ein Wolkenkratzer aus Holz

Recyclebare und nachhaltige Baustoffe wie Holz, Lehm, Stroh und Naturfasern halten seit einigen Jahren in der Bauindustrie Einzug, weil die Ökobilanz wesentlich besser ist als bei herkömmlichen Materialien wie Beton und Stahl.
In der Seestadt Aspern in Wien wurde 2019 das mit 24 Geschossen und 84 Metern Höhe weltweit zweithöchste Haus aus Holz eröffnet. Laut Projektentwickler wurden durch den Holzbau 2.800 Tonnen CO₂ eingespart. Das höchste Holzhochhaus steht übrigens im norwegischen Mjøstårnet und ist 85,5 Meter hoch.
Salat aus dem Hochhaus

Rucola, Basilikum und Spinat brauchen künftig nicht mehr zwingend Boden und Erde, um zu wachsen. Sie gedeihen auch in Hochhäusern auf mehreren Etagen unter künstlichem Licht und mit Mikrosubstraten. Diese Technologie nennt sich „Vertical Farming“ und ist weltweit in urbanen Räumen im Vormarsch. Die größte vertikale Farm Europas entstand erst kürzlich in Kopenhagen.
Auf 14 Etagen baute das Start-up Nordic Harvest gemeinsam mit einem taiwanesischen Technologieunternehmen die Stadtfarm, die bei Vollauslastung bis zu drei Tonnen Ernte täglich einfahren soll.
Eine Fassade aus Algen

Ein ständig blubbernder Bioreaktor als Hausfassade – das gibt es in Hamburg (Deutschland). Im Rahmen der internationalen Bauausstellung 2013 wurde diese Technologie erstmals weltweit präsentiert.
Die Einzelelemente der Fassade sind mit 3.500 Litern Wasser und Algen gefüllt. Die Algen werden nach einer gewissen Zeit entnommen und als Nahrungsergänzung verwendet. Allerdings haben die sich ständig bewegenden Algen noch einen anderen Sinn: Sie erzeugen Wärme für das Gebäude.
Die Wildnis zieht in die Stadt ein
Das Flüsschen Cheonggyecheon in Seoul wurde im vergangenen Jahrhundert Stück für Stück zugebaut, bis es ganz verschwand. Nun wurde es wieder aus dem Untergrund geholt und ist seither Erholungsraum für die zehn Millionen Einwohnerinnen.
Auch in Wien gibt es Überlegungen – neben der erfolgreichen Renaturierung der Liesing –, andere unterirdische Stadtbäche wie den Ottakringer Bach oder den Alsbach wieder an die Oberfläche zu leiten.
Die Vorteile wären, dass Wasser im Sommer durch Verdunstung die Umgebung kühlt und für die Stadtbewohner*innen ein wertvolles Stück Natur ist. Und auch andernorts zieht die Wildnis – zumindest ein kleines Stückchen – in die Stadt ein: Am Wiener Nordbahnhofgelände entsteht bis 2025 die Stadtwildnis „Freie Mitte“ mit Platz für geschützte Tiere wie die Wechselkröte.
Wie wohnen wir in der Zukunft?

Der Platz in den Städten wird immer weniger. Die Zukunft geht in Richtung "Tiny Houses". Kleinere Wohneinheiten, die einen Rückzugsort bieten und Gemeinschaftsräume.
Darüber hinaus wird es mehr Carsharing Nutzer*innen anstatt eigene PKWs geben. Dadurch, dass weniger Autos in den Städten unterwegs sind, stehen mehr Grünflächen zur Verfügung. Mehr Grünflächen bedeutet für die Städte wiederum ein besseres Klima und eine natürliche Kühlung im Sommer.


