Energiesparen: Der Vergleich mit den Nachbar*innen motiviert
Der Vergleich mit anderen kann dabei helfen, den eigenen inneren Energiesparschweinehund zu überwinden.
Umweltpsychologin Isabella Uhl-Hädicke erklärt, warum beim Energiesparen der Vergleich mit anderen Menschen eine große Rolle spielt.
Frau Uhl-Hädicke, was motiviert uns zum Energiesparen?
Ein Mechanismus, der hier eine große Rolle spielt, sind soziale Normen. Das bedeutet, dass das Verhalten unseres Umfelds, etwa Freund*innen, Nachbar*innen und Kolleg*innen, einen extrem großen Einfluss auf unser eigenes Verhalten hat. Das ist uns oft gar nicht bewusst. Studien zeigen, dass Menschen am stärksten zum Energiesparen motiviert werden, wenn sie sich mit ihrer Nachbarschaft vergleichen. Daraus folgt, dass finanzielle Vorteile oder ein hohes Umweltbewusstsein nicht unbedingt die ausschlaggebenden Faktoren sind.
Mangelt es oft nicht einfach an Wissen über den Klimawandel, um tätig zu werden?
Auf den ersten Blick scheint es, als würde es eine Wissenslücke geben. Denn warum sonst handeln die Menschen nicht in dieser dramatischen Situation? Aber – das zeigt die Forschung ganz klar: mehr Wissen führt nicht zu mehr Handlung. Wichtig ist jedenfalls, dass Menschen sich bewusst sind, warum sie etwas tun. Es zeigt sich auch, dass die so genannte Selbstwirksamkeit ein Faktor ist. ob Menschen handeln oder nicht. Selbstwirksamkeit bedeutet, dass ich das Gefühl habe, mit meinen Handlungen etwas bewirken zu können oder nicht. Wenn also Menschen glauben, ihre Taten haben eine positive Auswirkung, kommen sie viel eher ins Tun. Noch stärker wirkt dieser Mechanismus als kollektive Selbstwirksamkeit – dass Gruppen merken, sie können etwas verändern.
Ja, aber gerade bei so einem globalen Phänomen wie dem Klimawandel hat man ja oft den Eindruck, dass man selbst überhaupt nichts bewirken kann.
Deswegen ist es wichtig, aufzuzeigen, dass dieser Eindruck täuscht und sich schon sehr viel geändert hat. Es braucht Beispiele, die das vorleben und zeigen, dass ihr Handeln einen Unterschied macht.

Derzeit versuchen auch viele Unternehmen, Energie einzusparen. Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen auf diesem Weg mitnehmen?
Wenn man als Unternehmen die Mitarbeiter*innen bei Sparmaßnahmen mitnehmen möchte, müssen die Führungskräfte das Verhalten vorleben. Die Mitarbeiter*innen müssen das Gefühl haben, dass die Maßnahmen ernst gemeint sind. Es bringt wenig, wenn man den Leuten sagt, sie sollten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Rad in die Arbeit fahren, und vor der Türe steht aber der schwere Diesel-PKW der Führungskraft. Wichtig ist, dass es Möglichkeiten für klimafreundliches Verhalten gibt.
Was meinen Sie damit?
Wenn der Fuhrpark des Unternehmens rein fossil ist, können die Mitarbeiter*innen im Außendienst beispielsweise schlecht auf nachhaltige Mobilität umsteigen. Oder wenn es in der Kantine kaum fleischlose Speisen zu essen gibt, wird eine vegetarische und klimafreundliche Ernährungsweise auch schwierig.
Hilft es, konkrete Sparziele auszurufen?
Ja. Je konkreter die Ziele sind, desto besser sind sie messbar, und Feedback ist leichter möglich. Durch konkrete Ziele wird der „Umweltschweinehund“ auch leichter besiegt. Ein Beispiel: Wer seine Ernährung umstellen möchte, sollte etwa konkret sagen: an vier Tagen die Woche verzichte ich auf Fleisch anstatt generell weniger Fleisch zu essen. Darüber hinaus hilft es den Leuten, wenn man ihnen auch konkrete Maßnahmen an die Hand gibt, mit denen sie diese Ziele erreichen können.
Über unseren online Energiesparcheck kann man die Stromfresser im eigenen Haushalt finden.


