Frische Energie für das größte Kraftwerk Österreichs
Seit Anfang des Jahres ist Michaela Killian die erste weibliche Leiterin des größten Kraftwerk Österreichs.
Die 33-jährige Michaela Killian hat Anfang des Jahres die Betriebsleitung der Kraftwerke Simmering und Donaustadt bei Wien Energie übernommen. Sie ist damit die erste Frau Österreichs, die für so große Standorte verantwortlich ist. Und sie hat dort in den nächsten Jahren einiges vor: vom Einsatz eines Roboter-Hundes bis zur Umstellung auf ein „grünes“ Kraftwerk.
Das Spannende an meinem neuen Job ist, dass ich die Energiewende aktiv mitgestalten kann
Frauenpower in Simmering und Donaustadt

Gut 120 Mitarbeiter haben die Kraftwerke Simmering und Donaustadt von Wien Energie für die Betriebsführung. Alle Mitarbeiter sind männlich. Nur der Chef, oder eigentlich die Chefin, ist seit kurzem eine Frau: Michaela Killian. Und das ist ziemlich ungewöhnlich, denn noch nie wurde in Österreich ein so großes Kraftwerk wie Simmering – es ist das größte des Landes von einer weiblichen Führungskraft geleitet.
„Für mich spielt es keine Rolle, ob ich mit Männern oder Frauen arbeite. Wichtiger ist, dass wir gemeinsam unsere Ziele erreichen“, sagt Michaela Killian. „Das Spannende an meinem neuen Job ist, dass ich die Energiewende aktiv mitgestalten kann.“
Von der Leistungssportlerin zur Kraftwerksleiterin

Michaela Killian, die in Stockerau aufgewachsen ist, begann 2019 als Data Scientist im Bereich Asset Betrieb bei Wien Energie. Ihre Aufgabe in dieser Funktion war es, mit Datenanalysen die Anlagen zu optimieren und den Automatisierungsgrad zu heben. Dazu werden in einem derzeit laufenden Projekt gemeinsam mit der IT-Abteilung wichtige Schnittstellen geschaffen und dadurch ganz unterschiedliche Daten aus dem gesamten Anlagenpark in Echtzeit zentralisiert gesammelt und so dargestellt, dass sie – etwa am Mobiltelefon – abgerufen werden können. So werden Analysen und Vorhersagen möglich.
„Durch diese Tätigkeit bekam ich einen super Einblick in die Kraftwerke, Müllverbrennungsanlagen und den Bereich der erneuerbaren Energieerzeugung von Wien Energie“, erzählt Killian. „Darum habe ich mich entschlossen, noch einen Schritt weiter in die Technik zu gehen.“
Eigentlich studierte Michaela Killian, die viele Jahre auch Leistungssportlerin (Volleyball) war, technische Mathematik an der TU Wien. Für das Doktorat wechselte sie an das Institut für Mechanik und Mechatronik und forschte als Post-Doc zu prädikativen Algorithmen in Industrieprozessen. Eine Anwendung in der Praxis ist etwa die Gebäudeautomatisierung.
„Ich habe als Kind immer schon am liebsten Lego und Matador gespielt“, erzählt sie. „Sehr stark hat mich der Sport geprägt. Denn im Mannschaftssport sind alle gleich, es zählt nur das Ergebnis, die Leistung.“
Innovative Technologien

Mit Anfang 2022 übernahm Michaela Killian nun die Betriebsleitung der Kraftwerke Simmering und Donaustadt. Schon in den nächsten Monaten stehen schon große Weichenstellungen bevor: Das Kraftwerk Donaustadt wird im Sommer 2022 umgerüstet, damit 2023 erstmals im Feldversuch der Einsatz einer Beimengung von bis zu 15 Prozent Wasserstoff zum üblicherweise eingesetzten Erdgas beim Antrieb der Gasturbinen getestet werden kann. Wien Energie ist damit europaweit Vorreiter.
Gleichzeitig wird im Kraftwerk Simmering gerade ein neues Assistenz-System bei Kraftwerksrundgängen eingeführt: nämlich ein mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteter Roboter, der von den Mitarbeiter*innen den Namen „Energy Dog“ bekommen hat. Der Energy Dog soll künftig autonom Störfälle melden. Killian: „Derzeit lernt der Hund, seine Runden im Kraftwerk zu drehen und Anomalien zu erkennen.“
Leistungssport macht Michaela Killian heute nicht mehr – dafür fehlt die Zeit. Dennoch braucht sie einen regelmäßigen Ausgleich zum Job, um den Kopf freizubekommen. Am liebsten geht sie laufen, wandern oder verbringt Zeit mit ihrem Pferd. Vor knapp einem Monat hat sie den Kilimandscharo, den höchsten Berg Afrikas, bestiegen. „Mein erster ‚fast‘ 6.000er“, sagt sie. „Ich liebe es, immer wieder meine Grenzen neu auszutesten und ans Limit zu gehen. Wenn ich merke, es geht mehr, dann versuche ich es. Das gilt sowohl privat als auch beruflich.“
(Das Interview wurde im Jahr 2022 durchgeführt)


