Hintergründe und Fakten zur aktuellen Situation

Wien Energie sichert die Versorgung mit Strom, Gas und Wärme für eine Millionenstadt. Spekulationen haben dabei keinen Platz.
Aktualisiert am: 30.08.2022
Modernes Stadtbild mit hohem, geschwungenem Glasgebäude, schrägem Turm, Bäumen und Menschen, die auf dem TownTown Platz spazieren gehen.

Wien Energie ist am 26. August 2022 als Teil der österreichischen Energiebranche an den Bund herangetreten, um aufgrund von massiven Marktverwerfungen eine stabile Gesamtsituation für die Energieversorgung in Wien und ganz Österreich weiterhin langfristig sicherzustellen.

Die zuverlässige Energieversorgung der Wiener*innen hat oberste Priorität. Ein Spekulationsverbot ist in unseren Risikohandbüchern dezidiert festgehalten, wir tätigen selbstverständlich keine Leerverkäufe. Unsere Geschäftstätigkeit wird jedes Jahr über ein unabhängiges Audit überprüft. Wir müssen zur Versorgung von Wien die dafür notwendige Energie an den europäischen Energiebörsen kaufen und unsere Stromproduktion dort verkaufen, weil das die einzigen Stellen sind, wo man diese großen Mengen handeln und langfristig absichern kann. Das ist der ausschließliche Grund für diese Geschäfte.

Über die aktuelle Situation

Die aktuelle Situation hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Endkund*innen – aber das Preiskarussell an den Märkten muss durch politische Maßnahmen gestoppt werden.

Die Erhöhung von Sicherheitsgarantien hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Kund*innen von Wien Energie. Die Endkund*innen-Preise werden mit 1. September wie kommuniziert angepasst, auch die Treueaktion hat weiterhin volle Gültigkeit.

Faktum ist aber: Die Märkte spielen verrückt und es kann niemand Interesse daran haben, dass die aktuellen Preise an den internationalen Märkten durch die österreichischen Energieversorger an Endkund*innen weitergegeben werden müssen. Dafür braucht es raschest ein politisches Eingreifen auf internationaler Ebene.

Die Jahresproduktion an Strom von Wien Energie beträgt 6,28 Terawattstunden.

Wien Energie hat aktuell 4,48 Terawattstunden Strom bis Ende 2024 im Verkauf an der Börse – also getätigte, aber noch nicht abgewickelte Positionen offen. Das entspricht nicht einmal einer Jahresproduktion. 2021 hat Wien Energie 6,28 Terawattstunden Strom selbst produziert.

Die in den Medien kolportierten Mengen erklären sich wie folgt: Diese Daten (16,88 TWh) sind auf Basis des Finanzberichtes der Wiener Stadtwerke aus 2021 zu finden. Die Höhe ist rein bilanziell und zeigt die Handelsbewegungen auch für die Jahre 2022/2023. Diese Zahl beinhaltet z.B. auch konzerninterne Lieferungen.

Als Beispiel erwirbt die Wien Energie GmbH für ihre Vertriebsgesellschaft Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG an europäischen Strombörsen Strom, den sie dann an die Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG weiterleitet. Dadurch scheint diese Menge bilanziell doppelt auf, ohne dass dadurch ein Risiko entsteht.

Die Höhe der erforderlichen Sicherheitskautionen ist abhängig von den weiteren Marktentwicklungen.

Wien Energie hat mit gestern, Montag 29. August 2022, 1,75 Milliarden Euro an Sicherheitskautionen für den Energiehandel aufbringen müssen. Diese Sicherheitsleistungen betreffen im Wesentlichen Strom-Verkäufe, die bereits in der Vergangenheit getätigt, aber noch nicht abgewickelt wurden. Gemeinsam mit der Stadt Wien konnten diese Garantieleistungen gestern aufgebracht werden. Am heutigen Handelstag braucht Wien Energie gar keine zusätzlichen Garantien. Seit gestern ist der Strompreis wieder um rund 23 Prozent gesunken, der Gaspreis um 13 Prozent gesunken. Wien Energie bekommt heute Sicherheitsleistungen in der Höhe von rund 800 Millionen Euro wieder zurück.

Aufgrund dieser extremen Schwankungen am Markt wurden mehrere Szenarien berechnet und mit unserem Eigentümer, mit der Stadt Wien und der Bundesregierung diskutiert. Im Worst Case-Szenario – nämlich bei einer weiteren Verdopplung des Strompreises diese Woche – würde Wien Energie 5 Milliarden an Garantien benötigen. Die 10 Milliarden beziehen sich auf eine nochmalige Zuspitzung der Situation im Worst-Worst-Case. Im Best Case benötigt Wien Energie gar keine Sicherheitsgarantien vom Bund.

  1. Explodierende Strompreise

    Am 26. August ist der Strompreis im Handel von 700 auf rund 1.000 Euro gestiegen. Analog dazu haben sich die erforderlichen Kautionen für bereits getätigte Geschäfte in der Zukunft vervielfacht. Als größter Energieversorger Österreichs mit den meisten Kund*innen und den größten Gaskraftwerken Österreichs ist Wien Energie dem Preisdruck am stärksten ausgeliefert. Die Kraftwerke von Wien Energie dienen sowohl der Versorgung von mehr als zwei Millionen Kund*innen mit Strom und Fernwärme als auch der Netzstabilisierung in Österreich.

  2. Vorübergehende Sicherheiten

    Wien Energie und die Wiener Stadtwerke sind solide, wirtschaftlich gesunde Unternehmen mit bester Bonität. Es müssen keine Verluste ausgeglichen werden. Die notwendigen Sicherheiten dienen ausschließlich der Absicherung von bereits getätigten Geschäften an der Energiebörse und damit der langfristigen Sicherstellung der Energieversorgung in Wien und ganz Österreich. Diese Sicherheiten sind als Garantien ein üblicher Teil von Handelsgeschäften. Die Kautionen kommen zurück, sobald die Handelsgeschäfte abgewickelt wurden.

  3. Energiehandel an der Börse

    Energie wird in Europa an der Börse gehandelt. Der Großteil der Energie wird am Terminmarkt verkauft. Dort werden Geschäfte abgeschlossen, die erst in Zukunft erfüllt werden. Wien Energie verkauft Strom aus den Kraftwerken bis zu zwei Jahre im Voraus und beschafft Strom und Gas langfristig für seine Kund*innen an der Börse. So sichert sich Wien Energie für zukünftige Strompreisschwankungen ab und kann damit für seine Kund*innen und Kraftwerke die Energiepreise für die nächsten Jahre abschätzen.

Wien Energie handelt vorausschauend und ist deshalb in Gespräche mit dem Bund eingetreten.

Seit Wochen und Monaten steigen die Energiepreise an den Börsen an. Wien Energie agiert vorausschauend und hat seine Kreditlinien bereits in der Vergangenheit entsprechend als Vorsorgemaßnahme aufgestockt. Am Freitag, 26. August, hat sich die Marktlage dramatisch entwickelt. Das war nicht vorhersehbar. Innerhalb eines Tages hat sich der Strompreis fast verdoppelt und das zusätzlich völlig entkoppelt vom Gaspreis.

Zum Vergleich: Während die Garantien bis Mitte letzter Woche in Schwankungsbreiten von + /- 200 Millionen Euro lagen, sind die erforderlichen täglichen Leistungen am Freitag auf -1,75 Milliarden Euro hochgeschossen. Zu dieser Zeit hatte Wien Energie bereits einen Handelsstopp für Termingeschäfte eingelegt. Wien Energie hat sich noch in der Nacht an den Bund gewandt, um die Versorgungssicherheit von Wien und Österreich in jedem Fall und auch bei weiteren Marktverwerfungen in dieser Woche sicherstellen zu können.

Wien Energie ist der größte Energieversorger Österreichs. Diese Mengen können nur über die Börse gehandelt werden.

Wien Energie handelt sowohl gewisse Mengen direkt mit Handelspartnern, insbesondere die langfristige Absicherung großer Energiemengen und der Stromverkauf sind aber nur über die internationalen Märkte möglich. Wien Energie ist dabei nicht mit kleinen Energielieferanten zu vergleichen. Der Handel an der Börse ist weniger risikobehaftet, weil sich das Ausfallsrisiko eines Geschäftspartners nicht an einem einzelnen Partner festmacht.

Hintergründe und Fakten | aktuelle Situation | Wien Energie