Kraftwerk Opponitz: Das älteste Wasserkraftwerk Wiens
Das älteste Kraftwerk Wiens ist seit 1924 in Betrieb. Aber was die Wenigsten wissen - es steht 170 Kilometer von Wien entfernt, in Niederösterreich. Es ist nicht in Wien, gehört aber quasi zu Wien - doch warum ist das so?
Schneeschuhe als Standardausrüstung, Bergschuhe in jedem Spind: Nein, der Ort fühlt sich wirklich nicht wie Wien an. 170 Kilometer südwestlich vom Stephansplatz liegt Opponitz und mittendrin das älteste Kraftwerk Wiens.
Und obwohl der Ort sehr weit von der Wiener Innenstadt entfernt ist, gehört er zu Wien. Warum? Weil sich dort das älteste Wasserkraftwerk von Wien Energie befindet. Hier, mitten in den Ybbstaler Alpen.
Wasserkraft als Lösung
Die Geschichte beginnt in den 1920er-Jahren. Bis dahin kam die Energie für Wien vor allem aus Kohlekraftwerken. Nach dem Ersten Weltkrieg war es für die Stadt aber schwierig, an Kohle zu kommen. Wasserkraft war deswegen die ideale Lösung.
Die Experten der Wiener Wasserkraftwerke suchten dafür einen geeigneten Standort irgendwo in der Nähe der Wiener Hochquellleitung – und fanden Opponitz. Denn hier in der Region fließt die Ybbs in einer 34 Kilometer langen Schleife. Und keine zwölf Kilometer Luftlinie entfernt, in Göstling, fließt sie 126 Höhenmeter höher. Die Ingenieure sprengten deswegen einen Verbindungsstollen durch den Berg und leiteten Teile des Flusses um. Beim Kraftwerk gibt es nun ein gewaltiges Gefälle, das die Turbine antreibt.
Eines der ältesten ökologischen Vorzeigeprojekte
Vor wenigen Jahren wurde das Kraftwerk modernisiert und dabei großer Wert auf Umweltaspekte gelegt. So wurde unter anderem der Hochwasserschutz verbessert und – gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur – eine Fischtreppe errichtet, um ihren Lebensraum in der Ybbs zu schützen. Mit der Sanierung konnte auch die Restwassermenge des Flusses erhöht werden – damit bleibt jetzt mindestens fünfmal so viel Wasser in der Ybbs wie davor.
Von Ybbs bis Wien
In gerade einmal drei Jahren haben damals die Ingenieure dieses technische Wunderwerk geschaffen, seit 1924 produziert Opponitz Strom für Wien. Damals produzierte das kleine Kraftwerk 15 Prozent des benötigten Stroms der Hauptstadt. Das hat sich durch den steigenden Stromverbrauch der Stadt zwar geändert – 0,5 Prozent des Stroms für Wien kommen trotzdem noch von hier. Aber das Kraftwerk versorgt nicht nur einige Wiener Haushalte mit Strom, sondern auch das gesamte Ybbstal – von Opponitz über Hollenstein bis Lunz am See.
Die Wiener Netze sind damit für ein Versorgungsgebiet zuständig, das genauso groß ist wie Wien selbst – aber mit nur einem Bruchteil der Einwohner*innen. Der Strom aus Opponitz treibt übrigens auch die Lifte am Hochkar an, da Niederösterreichs größtes Skigebiet an das Netz der Wiener Netze angeschlossen ist.







