Saldierende vs. phasenbezogene Zähler erklärt
Eine Schwierigkeit bei der Messung und Verrechnung von selbst produziertem Solarstrom liegt in den unterschiedlichen Phasen. Eine Phase kann in diesem Zusammenhang auch als Stromkreis bezeichnet werden. Zum besseren Verständnis wird zunächst der saldierende Zähler erklärt, da dieser eine zentrale Rolle bei der effizienten Nutzung von Solarstrom spielt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Wahl des richtigen Zählertyps beeinflusst direkt die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaik-Anlage.
- Für maximale Eigenverbrauchsoptimierung ist ein saldierender Zähler in Kombination mit einem dreiphasigen Wechselrichter ideal.
- Saldierende Zähler erkennt man an der phasenübergreifenden Summenbildung im Display oder in der Beschreibung.
- Ohne saldierenden Zähler kann trotz Solarstrom-Eigenproduktion zusätzlicher Netzstrom nötig sein.
- Einphasige Wechselrichter speisen nur eine Phase – dreiphasige Wechselrichter verteilen gleichmäßig auf alle drei.
- Phasenbezogene Zähler messen jede Phase separat – Überschüsse auf einer Phase können nicht verrechnet werden.
- Saldierende Zähler verrechnen Strombezug und -einspeisung phasenübergreifend (es wird weniger Energie zugekauft)
Saldierende Zähler
Bedeutung
Ein saldierender Zähler misst den Strombezug und die Einspeisung über alle drei Phasen hinweg und verrechnet diese miteinander. Dadurch wird der selbst produzierte Solarstrom optimal genutzt, da Überschüsse auf einer Phase mit dem Verbrauch auf einer anderen Phase ausgeglichen werden können.
So “verliert” man in Zahlen nichts vom selbst produzierten Sonnenstrom. Beim saldierten Zähler muss man nur für den darüber hinausgehenden Bezug bezahlen.
Funktionsweise
Der saldierende Zähler summiert den eingespeisten und bezogenen Strom über alle Phasen und berechnet die Differenz. Nur der darüber hinausgehende Strombezug wird dem Betreiber in Rechnung gestellt.
Vor- & Nachteile
Vorteile
- Optimale Nutzung des selbst erzeugten Solarstroms
- Vermeidung von Verlustrechnungen
- Kosteneffizienter Betrieb der Photovoltaik-Anlage
Nachteile
- Höhere Anschaffungskosten im Vergleich zu einfachen Zählern
- Nicht in allen Regionen standardmäßig verfügbar
Ablesung & Erkennung
Ein saldierender Zähler zeigt die summierten Werte für Bezug und Einspeisung an. Er ist meist digital und verfügt über eine Kennzeichnung oder Beschreibung im technischen Datenblatt. Zur Erkennung kann man auf die Modellbezeichnung oder die Installationsunterlagen zurückgreifen.
Phasenbezogene Zähler
Bedeutung
Phasenbezogene Zähler messen den Stromverbrauch und die Einspeisung getrennt für jede einzelne Phase. Eine Verrechnung zwischen den Phasen ist nicht möglich, was zu einer ineffizienten Nutzung des Solarstroms führen kann.
Funktionsweise
Jede Phase wird separat erfasst. Überschüsse auf einer Phase können nicht mit dem Verbrauch auf einer anderen Phase verrechnet werden. Dies führt dazu, dass trotz ausreichender Solarstromproduktion Strom aus dem Netz bezogen werden muss.
Vor- & Nachteile
Vorteile
- Günstiger in der Anschaffung
- Einfache Installation
Nachteile
- Ineffiziente Nutzung des Solarstroms
- Höhere Stromkosten durch fehlende Verrechnung
Ablesung & Erkennung
Phasenbezogene Zähler zeigen getrennte Werte für jede Phase an. Sie sind oft analog oder einfach digital und verfügen über separate Anzeigen oder Kennzeichnungen für jede Phase.
Zum Verständnis: Phasen und Wechselrichter
Nach Auswahl des Wechselrichters ist auch zu entscheiden, ob ein phasenbezogener oder ein saldierender Zähler zum Einsatz kommen soll.
Im öffentlichen Netz fließt dreiphasiger Strom, in Haushalten wird dieser meistens auf drei einzelne Phasen (Stromkreise) aufgeteilt.
Zum Beispiel könnten in einer Wohnung Wohn- und Vorzimmer auf Phase 1, Schlafzimmer und Bad auf Phase 2 und die Küche auf Phase 3 hängen. Diese Phasen sind komplett unabhängig voneinander.
Je nachdem, ob deine Photovoltaik-Anlage einen ein- oder dreiphasigen Wechselrichter eingebaut hat, kann sie entweder eine oder alle drei Phasen mit Strom versorgen:
Einphasiger Wechselrichter
Eine Anlage mit einphasigem Wechselrichter versorgt immer den Stromkreis, an den sie angeschlossen ist. Der nicht verbrauchte Strom wird ins Netz eingespeist, während andere Phasen weiterhin Strom aus dem Netz beziehen müssen.
Beispiel: In unserem Beispielhaushalt könnte die Photovoltaik-Anlage mit einem einphasigen Wechselrichter ausgestattet und an die Phase 1 angeschlossen sein. Sie würde dann zum Beispiel den Fernseher und die Spielekonsole im Wohnzimmer und den im Vorzimmer angesteckten Staubsaugerroboter mit Strom versorgen. Der von diesen Geräten nicht verbrauchte Photovoltaik-Strom würde automatisch ins allgemeine Netz eingespeist.
Wenn jetzt zeitgleich etwa im Badezimmer die Waschmaschine (auf Phase 2) und in der Küche der Geschirrspüler (auf Phase 3) laufen, müssen diese beiden Geräte aus dem Stromnetz gespeist werden, auch wenn vielleicht genug Sonnenstrom zur Verfügung stehen würde. Und weil Strom einkaufen in der Regel mehr kostet als Strom verkaufen einbringt, wäre das für den Photovoltaik-Anlagenbetreiber eine Verlustrechnung.
Dreiphasiger Wechselrichter
Ein dreiphasiger Wechselrichter verteilt den Solarstrom gleichmäßig auf alle drei Stromkreise. Da der Verbrauch auf den Phasen unterschiedlich ist, kann es trotzdem zu einem Strombezug aus dem Netz kommen.
Beispiel: Hätte unser Beispielhaushalt eine Photovoltaik-Anlage mit dreiphasigem Wechselrichter, also einem, der den Solarstrom auf alle drei Stromkreise verteilt, würde es trotzdem zu einem Ungleichgewicht kommen. Denn der Stromverbrauch in Wohn- und Vorzimmer (Phase 1) wird nicht exakt gleich hoch sein wie im Bad (Phase 2) und in der Küche (Phase 3).
Der Wechselrichter verteilt den erzeugten Strom aber zu genau gleichen Teilen auf alle drei Phasen. Da der pro Phase nicht verbrauchte Strom nicht den zusätzlichen Verbrauch einer anderen Phase decken kann, müsste auch hier Strom eingekauft werden, während gleichzeitig Solarstrom ins öffentliche Netz gespeist wird. Bedeutet wieder eine Verlustrechnung für den Betreiber der Photovoltaik-Anlage.
Fazit
Die Wahl zwischen saldierendem und phasenbezogenem Zähler ist entscheidend für die Effizienz und Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaik-Anlage. Ein saldierender Zähler ermöglicht eine faire Verrechnung von Strombezug und -einspeisung über alle Phasen hinweg und verhindert so unnötige Verluste.
Wer den Eigenverbrauch seines Solarstroms maximieren möchte, sollte auf einen saldierenden Zähler in Kombination mit einem dreiphasigen Wechselrichter setzen. So lässt sich der selbst erzeugte Strom optimal nutzen – ökologisch wie ökonomisch.
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