Einspeisezähler, Ertragszähler & Co. – Welche Stromzähler braucht man für eine PV-Anlage
Wir erklären dir, welche Möglichkeiten du hast, deinen Energieverbrauch und die Einspeisung zu messen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Bezugs- und Einspeisezähler sind gesetzlich vorgeschrieben. Ein Ertragszähler ist optional, bietet aber einen guten Überblick über die gesamte Stromproduktion.
- Zählerbereitstellung durch Netzbetreiber: Bezugs- und Einspeisezähler werden vom Netzbetreiber (z. B. Wiener Netze) zur Verfügung gestellt.
- Digitale Stromzähler und Smart Meter: Erfassen Verbrauch und Einspeisung präzise, senden Daten automatisch und ermöglichen eine Echtzeit-Überwachung.
Wer Strom nutzt, braucht einen Zähler, der den eigenen Verbrauch misst. Und muss diesen Verbrauch entsprechend bezahlen. So weit, so klar. Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, nutzt aber nicht nur Energie, sondern speist oft auch selbst nicht genutzten Strom in das Stromnetz ein.
Wie also funktioniert hier die Messung und Verrechnung des Verbrauchs? Neben dieser Frage erklären wir im folgenden Beitrag den Unterschied zwischen den verschiedenen Stromzählern und was es mit dem viel gerühmten Smart Meter auf sich hat.
Wie wird der Photovoltaik-Energieverbrauch gemessen?
Die Maßeinheit für Energie ist kWh (Kilowattstunden), in dieser werden die Daten auf jedem gängigen Zähler in Österreich ausgewiesen. Die Herangehensweise ist dabei ähnlich wie bei Stundenkilometern beim Auto: Eine Kilowattstunde ist die Energie, die ein Gerät mit einem Kilowatt Leistung innerhalb einer Stunde erzeugen kann. Mit einer kWh Strom kann man etwa einmal den Geschirrspüler laufen lassen oder eine Stunde lang die Haare föhnen. Und mit diesen Zählern misst man, wie viele Kilowattstunden von einer PV-Anlage produziert und eingespeist werden:
Einspeisezähler
Misst den ins öffentliche Netz eingespeisten Sonnenstrom.
Der Einspeisezähler misst die Menge des eingespeisten Stroms und bildet die Grundlage für die Berechnung der Einspeisevergütung. In Österreich ist die Installation eines Einspeisezählers für Photovoltaikanlagen gesetzlich vorgeschrieben, sobald die Anlage an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist. Ausgenommen von dieser Pflicht sind sogenannte Inselanlagen, die komplett autark arbeiten und eben nicht mit dem öffentlichen Netz verbunden sind.
Bezugszähler
Misst den aus dem öffentlichen Netz bezogenen Strom.
Der Bezugszähler erfasst die Strommenge, die aus dem öffentlichen Netz bezogen wird. Immer dann, wenn die Photovoltaikanlage nicht genug Strom liefert, etwa abends oder bei schlechtem Wetter, wird automatisch Strom aus dem Netz genutzt. Der Bezugszähler misst diesen Verbrauch und bildet die Grundlage für die Abrechnung mit dem Energieversorger.
Ertragszähler (optional)
Misst den von deiner Photovoltaikanlage produzierten Strom.
Der Ertragszähler misst die gesamte Strommenge, die die Photovoltaikanlage produziert, unabhängig davon, ob der Strom direkt im Haushalt verbraucht oder ins öffentliche Netz eingespeist wird. Der Ertragszähler gibt also einen Überblick über die gesamte Leistung der PV-Anlage und hilft, den Eigenverbrauch sowie die Wirtschaftlichkeit der Anlage besser einzuschätzen. Er ist nicht verpflichtend.
Zähler können entweder mechanisch oder digital funktionieren. Außerdem zählen verschiedene Zähler Verbrauch und Einspeisung etwas unterschiedlich.
Für die Messung der oben genannten Daten gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann entweder einzelne Zähler installieren oder einen sogenannten Zweirichtungszähler (auch bidirektionaler Zähler genannt). Dieser ist eine Kombination aus Bezugs- und Einspeisezähler.
Der Ertragszähler wird immer extra installiert und umgangssprachlich auch Photovoltaik-Zähler genannt. Dieser ist nicht verpflichtend und wird auch nicht vom Netzbetreiber zur Verfügung gestellt.
Was für Arten von Photovoltaik-Stromzählern gibt es?
Ferraris-Zähler
Die sogenannten Ferraris-Zähler waren in Österreich früher die gängigsten Modelle und sind heute noch in einigen Haushalten zu finden. Alle drei Zähler der Photovoltaikanlage können solche Modelle sein. Sie funktionieren mechanisch und sind mit Drehscheiben ausgestattet, die den Verbrauch anzeigen. Diese drehen sich je nach Verbrauch schneller oder langsamer.
Bei Einspeisung in das Stromnetz drehen sie rückwärts, die eingespeiste Energie wird in der Anzeige also direkt von der verbrauchten abgezogen. So gibt es nur einen Zählerstand abzulesen. Das hat aber den Nachteil, dass weder Einspeisung noch Verbrauch genau im Blick behalten werden können.
Man sollte überprüfen, ob der Ferraris-Zähler einen Rücklaufschutz eingebaut hat. Dieser verhindert nämlich, dass sich der Zähler rückwärts drehen kann. Das heißt, dass man zwar Energie einspeist, diese aber nicht gezählt werden kann.
Zweirichtungszähler
Zweirichtungszähler (oder auch Doppeltarifstromzähler genannt) sind, wie oben bereits erwähnt, eine Kombination aus Bezugs- und Einspeisezähler. Es gibt sie sowohl in mechanischer Form mit Drehscheiben als auch digital. Verbrauch und Einspeisung werden getrennt voneinander angezeigt. Dadurch ist eine genaue Messung und Beobachtung der beiden Werte möglich.
Digitaler Stromzähler
Digitale Stromzähler messen den Verbrauch nicht mehr elektromechanisch, sondern, wie der Name schon sagt, digital. Der Energieverbrauch wird in Echtzeit visualisiert und gespeichert. Alle drei Zähler der Photovoltaikanlage können digital sein – je neuer die Anlage, desto wahrscheinlicher sind sie das.
Smart Meter
Smart Meter (auf Deutsch: intelligente Zähler) sind die neue Generation der Stromzähler. Die Wiener Netze rüsten nach und nach alle Haushalte mit diesen Zählern aus.
Der Tausch ist kostenlos und passiert automatisch, der Netzbetreiber kommt dafür auf die Kund*innen zu. Den Zähler kann man als Bezugs- und Einspeisezähler verwenden.
Was kann ein Smart Meter?
Bei der Installation einer Photovoltaikanlage werden heutzutage standardmäßig Smart Meter eingebaut. Diese haben einige Vorteile im Vergleich zu den mechanischen Modellen:
- Messen sowohl Bezug als auch Einspeisung
- Messdaten werden automatisch übermittelt – man muss sie nicht extra ablesen oder ablesen lassen
- Die Daten sind direkt im Smart Meter-Webportal in einem 15-Minuten-Intervall abrufbar. So kann der Stromverbrauch immer im Blick behalten und optimiert werden, um Strom zu sparen.
Smart Meter legen außerdem den Grundstein für die Energiewende. Denn erneuerbare Quellen wie Sonne oder Wind produzieren nicht so gleichmäßig Energie wie andere Kraftwerke. Um das Stromnetz trotzdem zunehmend auf nachhaltige Quellen umstellen zu können, müssen Einspeisung und Verbrauch detailliert und in Echtzeit beobachtet werden.
Wo sind die Zähler?
Zähler werden abhängig von den baulichen Gegebenheiten dort eingebaut, wo sie am besten passen. Das kann etwa im Keller, in einem Maschinenraum oder, in einem Mehrparteienhaus, in den einzelnen Wohnungen oder am Gang sein. Im Zweifelsfall kann man bei Vermieter*innen oder Hausverwaltung nachfragen, wo sich die Zähler befinden.
Wie bekomme ich einen Photovoltaik-Zähler?
Sowohl Bezugs- und Einspeisezähler werden automatisch zur Verfügung gestellt, wenn ein Vertrag mit dem Netzbetreiber abgeschlossen wird. Der Eigentümer (in Wien sind das die Wiener Netze) ist auf den Zählern eingraviert und vermietet die Zähler gegen eine jährliche Gebühr an die Kund*innen bzw. Eigentümer*innen der Photovoltaikanlage.
Zugegeben, das Thema Stromzähler bei Photovoltaikanlagen kann auf den ersten Blick verwirrend sein. Wir hoffen, dass dieser Beitrag helfen konnte, (Sonnen-)Licht ins Dunkel zu bringen!


