Warum fällt Energiesparen manchmal so schwer?
Energieberater Andreas Hudecek versorgt Kund*innen seit drei Jahrzehnten mit den wichtigsten Energiespartipps.
Andreas Hudecek arbeitet seit drei Jahrzehnten in der Energieberatung von Wien Energie. Er weiß, was Menschen zum Energiesparen anspornt – oder davon abhält. Plus: seine besten Tipps.
Ende der 1980er Jahre wollte die Energiespartipps von Andreas Hudecek niemand hören. Damals stand der junge Energieberater – er begann 1988 im Energiereferat der Generaldirektion der Wiener Stadtwerke – noch auf Wiener Märkten und verteilte Zettel. „Wien spart Energie“ stand darauf geschrieben. „Die älteren Menschen, die teilweise noch den Krieg miterlebt hatten, waren durchaus offen“, erinnert sich Hudecek. „Doch bei den Jüngeren gingen die Tipps beim einen Ohr rein und beim anderen wieder hinaus.“ Damals galt ein hoher Energieverbrauch noch als Zeichen von Wohlstand und das Wort Klimawandel stand noch nicht im Duden.
Das Thema Energiesparen gewinnt an Interesse

Auch heute gibt Andreas Hudecek Tipps zum Energiesparen, doch nun stößt sein Rat auf enormes Interesse. Aus seiner langjährigen Erfahrung bei Wien Energie weiß er, dass Menschen durchaus viel über das Thema wissen: dass ein paar Grad weniger Heiztemperatur in der Wohnung oder der Eco-Waschgang bei der Waschmaschine ein paar Kilowattstunden sparen.
Doch warum bislang so wenige Menschen die Sparmaßnahmen auch umsetzten, liegt laut Andreas Hudecek daran, dass es an Bewusstsein fehle. „Viele Leute in der Beratung sagen mir: ich will nicht wie in der Steinzeit leben“, sagt er. Und dann entgegnet er: „Man muss im Winter nicht im T-Shirt und Shorts in der Wohnung sitzen. Eine warme Weste tut es auch. Energieberatung ist Bewusstseinsbildung.“
Wie kann ich mich beraten lassen
Hier erhältst du die wichtigsten Infos zur Energieberatung von Wien Energie. Gerne kannst du dich auch jederzeit schriftlich an uns wenden.
Energiesparen im Sommer vs. im Winter

Freilich sind die Rahmenbedingungen diesen Herbst komplett anders: ein sparsamerer Umgang mit Energie wird aufgrund der steigenden Kosten plötzlich ein Muss. Deshalb rät Hudecek, zunächst zu analysieren, wo „unnötiger“ Verbrauch entsteht.
Beispiel Wohnungskühlung im Sommer: Wer seine eigenen vier Wände an hießen Tagen untertags konsequent mit Rollos beschattet und die Fenster geschlossen hält, vermeidet von vorne herein, dass sich die Wohnung aufheizt und deswegen gekühlt werden muss. „Viele Menschen neigen dazu, mit technischen Dingen Probleme zu beseitigen, die man eigentlich vermeiden könnte.“
Im Winter gilt übrigens das Umgekehrte: Rollos hinauf, damit die Sonne die Wohnung wärmt.
Tipp zum Energiesparen: Stromfressern im Haushalt auf die Spurkommen

Die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Haushalt ist ein Weg, um Stromfressern auf die Spur zu kommen. „Oft meinen die Leute, dass Standby nicht soviel ausmacht. Das stimmt für den Fernseher, aber nicht für andere Geräte“, sagt Hudecek, der sogar selbst seinen TV im Standby-Modus laufen lässt. Denn moderne Fernseher haben tatsächlich im Standby-Modus einen minimalen Energieverbrauch.
Allerdings: Bei ganz vielen anderen Geräten gilt das nicht. Ein Beispiel: Ältere Stehlampen mit Trafo haben so etwas wie einen „versteckten“ Standby-Modus. Auch wenn die Lampe abgeschaltet ist, läuft der Trafo weiter.
Und Peripheriegeräte wie ein Drucker sollten überhaupt nur dann mit dem Strom verbunden werden, wenn sie tatsächlich genutzt werden. Andreas Hudecek: „Ein Wlan-Rooter hat einen Energiebedarf so hoch wie eine Lampe. Es würde ja niemand auf die Idee kommen, eine Lampe über Nacht eingeschaltet zu lassen.“
Energieberater*innen als Öffentlichkeitsarbeiter*innen
In der Energieberatung von Wien Energie ist derzeit jedenfalls viel zu tun. Früher wurden tatsächlich konkrete Energiespartipps mit den Kund*innen besprochen und die allgemeine Bewusstseinsbildung stand im Vordergrund. Im ehemaligen Wien Energie Haus auf der Mariahilferstraße 63, wo Andreas Hudecek bis zur Schließung 2013 stellvertretender Leiter war, veranstaltete die Energieberatung regelmäßig Vorträge, um die Wiener*innen aufs Energiesparen aufmerksam zu machen. „Wir verstanden uns nicht nur als Energieberater, sondern als Öffentlichkeitsarbeiter. Wir versuchten, die Menschen über populäre Themen zum Thema Energie zu bringen.“
Über unseren online Energiesparcheck findet man übrigens die Stromfresser im eigenen Haushalt.
Zur Person
Andreas Hudecek begann 1988 im Energiereferat der Generaldirektion in den Wiener Stadtwerken. Damals wurde gerade das erste Energiekonzept der Stadt Wien entwickelt und Energieberatung wurde Teil der Stadtpolitik. Damals ging es in der Energieberatung vor allem um den Wärmebedarf von Gebäuden, Dämmung und konkreten Energiespartipps.
1997 wurde das Wien Energie Haus auf der Mariahilferstraße 63 eröffnet. Der prominente Standort wurde zum Informations- und Kommunikationszentrum der Energieberatung. Viele Ausstellungen wie über den Karikaturisten Gerhard Haderer oder den Bergpionier Heinrich Harrer brachten hunderte Interessierte ins Haus.
Hudecek war bis zur Schließung des Hauses 2013 stellvertretender Leiter. Danach baute er die Erlebniswelt in der Spittelau mit auf, die 2017 eröffnete und seitdem kontinuierlich um neue Themen weiterentwickelt wird – wie etwa erneuerbare Energien und E-Mobilität.


