Warum gibt es eigentlich so viele Gasthermen in Wien?
Besonders in Wien gibt es viele Wohnungen mit Gasthermen. Warum ist das eigentlich so? Ein Blick in die Vergangenheit.
Heute wissen wir, dass Erdgas nicht gerade klimafreundlich ist. Der Krieg in der Ukraine hat auch gezeigt, dass es sehr schnell sehr teuer werden kann, wenn wir so stark von anderen Ländern abhängig sind. Warum gibt es dann gerade in Wien so viele Gasthermen? Um diese Frage zu beantworten, werfen wir einen Blick auf die Geschichte der Gasversorgung in unserer Hauptstadt.
Von Kohle zu Gas
Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Steinkohle mit Abstand der wichtigste Energieträger der Stadt. Allerdings hatte Kohle nicht den besten Ruf: Sie galt als „dreckig“ und die Abgase verschmutzen die Luft. Die Steinkohle bezog die Stadt vor allem aus Böhmen. Mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie fiel die Versorgung schlagartig aus und Wien geriet in große Not, da der Winter 1918 extrem kalt war. Die Stadt musste daher den Verbrauch stark reglementieren und die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit Kohle aufrufen.
Nach dem Ersten Weltkrieg beschloss die Stadt Wien deshalb, bei der Errichtung von Gemeindebauten auch Infrastruktur für die Gas- und Stromversorgung zu bauen. Deswegen wird im Altbau besonders oft mit Gas geheizt. Bis 1926 waren so bereits 330.000 der gut 550.000 Wiener Wohnungen mit einem Gasanschluss ausgestattet. Und im Vergleich zu anderen Städten war die Versorgung mit Gas in Wien relativ günstig: 1933 kostete ein Kubikmeter Gas in Wien nur 19 Groschen!
In den Haushalten wurde Gas ursprünglich nur für Beleuchtungszwecke verwendet. Das änderte sich in der Zwischenkriegszeit und vor allem in der Zweiten Republik. Die Gasversorgung in Haushalten wurde nun zunehmend für den Betrieb von Gasherden genutzt.
„Die Beleuchtung und die noch raren Haushaltsgeräte, die einen Elektromotor als Antrieb hatten, wurden mit Strom betrieben. Überall dort aber, wo es ums Heizen ging – vom Herd bis zum Durchlauferhitzer –, war der Gasanschluss die bevorzugte Energiequelle der Haushalte“, sagt Christoph Stadelmann, Leiter des Sammlungsbereich Alltag & Gesellschaft im Technischen Museum Wien.
Günstiges Erdgas aus der Sowjetunion

Die in Wien errichteten Gaskraftwerke erzeugten zunächst das sogenannte Stadtgas, ein Brenngas, das durch Vergasung von Kohle entstand. Das erste Gaskraftwerk nahm im August 1899 in Simmering seinen Betrieb auf. Das Gaswerk Simmering verfügte über ein Ofenhaus mit mehr als 180 Öfen und fünf Gasometern (Gasbehälter).
Ab 1943 wurde dem Stadtgas aber das wesentlich günstigere Erdgas, das vor allem aus der damaligen Sowjetunion kam, beigemischt. Die gänzliche Umrüstung auf Erdgas fand zwischen 1969 und 1978 statt. Dabei mussten alle Gasgeräte in den Haushalten und der Industrie wegen des unterschiedlichen Heizwertes und des unterschiedlichen Betriebsdruckes des Erdgases ausgetauscht werden.
Fazit
Früher war die Verwendung von Gasthermen in Wien also durchaus sinnvoll und vor allem billig. Die Zeiten haben sich allerdings geändert und wir verfolgen seit Jahren das klare Ziel, raus aus Gas zu kommen. Dafür investieren wir massiv und forschen intensiv an der Dekarbonisierung der Fernwärme und der Verwendung von Abwärme.
Mehr historisches gibt es in unseren Meilensteinen.


