Windkraftanlagen: Arten, Funktionsweise & mehr
Windenergie treibt die Energiewende voran. Aber wie geht das alles und wie funktionieren Windräder überhaupt? Hier erfahrt ihr alles über Windkraft - von ihren ökologischen Vorteilen bis zu innovativen Technologien.
Das Wichtigste in Kürze:
- Windkraft ist ein zentraler Baustein der Energiewende: Sie nutzt die Bewegungsenergie des Windes zur umweltfreundlichen Stromerzeugung – ohne CO₂-Ausstoß und mit geringen Betriebskosten.
- Unterschiedliche Windradtypen für verschiedene Einsatzbereiche: Horizontale Anlagen sind effizient und für große Windparks geeignet, vertikale Anlagen ideal für urbane oder windturbulente Standorte.
- Standortwahl beeinflusst Leistung und Ausbaukosten: Onshore-Anlagen sind kostengünstiger, Offshore-Anlagen liefern höhere Strommengen
- Ausbau in Österreich ungleich verteilt: Während Niederösterreich und Burgenland stark vertreten sind, fehlen in Westösterreich politische Maßnahmen für den Ausbau.
- Zukunftsziele erfordern landesweiten Ausbau: Bis 2030 soll die Windkraftleistung verdoppelt werden. Auch Wien Energie plant eine Verdoppelung ihrer Windräder.
Wie funktioniert Windkraft und warum ist sie wichtig?
Wind haben die Menschen schon immer genutzt. Schon vor Jahrhunderten fuhren Segelschiffe über die Meere und Windmühlen haben mit der Kraft des Windes Getreide gemahlen.
Heute nutzen wir Wind auch zur Stromerzeugung. Wind ist ein kostenloser und erneuerbarer Energierohstoff. Der Einsatz von Windkraft trägt deshalb maßgeblich zur Energiewende bei und ermöglicht eine nachhaltige Zukunft!
Windkraftanlagen wandeln die kinetische Energie, also die Bewegungsenergie, des Windes in elektrische Energie um. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Fahrrad-Dynamo.
Der Rotor des Windrades dreht sich und entnimmt so dem Wind einen kleinen Teil seiner Energie. Ein Generator wandelt diese „Dreh-Energie“ in Strom um.
Wie viel Energie gewonnen wird, hängt von der Windgeschwindigkeit und der technischen Ausstattung der Windkraftanlage ab. Ideal ist es, wenn der Wind regelmäßig mit rund 35 km/h weht.
Außerdem: Je weiter oben, umso mehr Strom wird erzeugt. In höheren Lagen weht der Wind gleichmäßiger, wodurch mehr Energie in Strom umgewandelt wird. Ein hoher Turm und ein großer Rotordurchmesser bedeuten also mehr Strom.
Die erzeugte elektrische Energie wird dann in das zentrale Stromnetz eingespeist und an die Haushalte verteilt. So gelangt die gewonnene Windenergie vom Windpark in unsere Steckdosen und versorgt uns mit sauberem Strom.
Vor- und Nachteile von Windkraft

Die Nutzung von Windkraft bietet viele Vorteile! Windkraft erzeugt keine schädlichen Emissionen, die zu Luftverschmutzung oder Treibhausgasen beitragen. Sie ist eine saubere und nachhaltige Energiequelle.
Durch den Ausbau von Windkraftanlagen wird die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert. Denn Wind gibt es bei uns gratis vor der Haustüre.
Außerdem wird durch verstärkte Nutzung von Windkraft die Diversität der Energiequellen gefördert. Das sorgt für mehr Stabilität in der Energieversorgung.
Der Einsatz von Windkraftanlagen bietet noch einen wichtigen Vorteil. Windräder haben nach der Installation vergleichsweise niedrige Betriebskosten.
Allerdings gibt es auch Herausforderungen. Etwa die Abhängigkeit von Windbedingungen oder eine Veränderung des Landschaftsbildes, an dem sich einige Menschen stören. Es kann lange dauern, alle nötigen Genehmigungen für die Errichtung von Windparks zu bekommen (7 bis 10 Jahre von Idee bis Fertigstellung). Beim Windpark Trumau hat die Errichtung zum Beispiel 10 Jahre gedauert.
Welche Arten von Windkraftanlagen gibt es?
Windkraftanlagen lassen sich auf unterschiedliche Arten einteilen. Etwa nach Achsenausrichtung, nach Standort oder nach Leistung bzw. Baugröße. Jede Bauart bringt eigene Vorteile mit sich und wird für unterschiedliche Einsatzbereiche genutzt.
Hier gibt’s einen kleinen Überblick über unterschiedliche Arten von Windrädern:
Einteilung nach Achsenausrichtung: Horizontal oder Vertikal
Horizontalachsen-Windkraftanlagen (HAWT)
Horizontalachsen-Windkraftanlagen sind weltweit am weitesten verbreitet. Ihr Rotor dreht sich um eine horizontale Achse und richtet sich automatisch nach dem Wind aus (Yaw-System). Die großen Rotorblätter fangen den Wind ein und setzen die Gondel in Bewegung. Ein Generator wandelt diese Rotationsenergie schließlich in elektrischen Strom um.
Vorteile:
- Höchste Effizienz und Leistungsausbeute
- Technisch ausgereift, wirtschaftlich attraktiv
- Für große Windparks geeignet
Nachteile:
- Benötigen mehr Platz
- Konstruktion und Wartung sind komplexer
Typen:
- Upwind-Turbinen: Rotor vor dem Turm (Standard bei modernen Anlagen)
- Downwind-Turbinen: Rotor hinter dem Turm, heute kaum noch im Einsatz
Vertikalachsen-Windkraftanlagen (VAWT)
Vertikalachsen-Anlagen drehen sich um eine vertikale Achse. Sie fangen Wind aus jeder Richtung ein, ohne sich drehen zu müssen.
Vorteile:
- Funktionieren unabhängig von der Windrichtung
- Ideal in turbulenten Windverhältnissen (z. B. Stadtgebiete)
- Geringerer Wartungsaufwand
Nachteile:
- Niedrigere Effizienz als horizontale Windräder
- Weniger für Großanlagen geeignet
Typen:
- Darrieus-Rotor: Die gebogenen Rotorblätter rotieren um eine vertikale Achse und lassen die Anlage eiförmig oder wie ein Schneebesen aussehen. Diese Turbinen eignen sich besonders für urbane, oder wetterturbulente Standorte, da sie windrichtungsunabhängig arbeiten. Außerdem sind sie durch ihre bodennahe Technik besonders wartungsfreundlich und leise.
- Savonius-Rotor: Dieser Rotor besteht aus halbkreisförmigen Schaufeln und rotiert ebenfalls um eine vertikale Achse. Savonius-Turbinen sind robust und benötigen weniger Wartung, sind aber auch nicht so leistungsfähig.
Windkraftanlagen nach Standort: Onshore, Offshore & Nearshore
Onshore-Windkraftanlagen (an Land)
Onshore-Anlagen sind der Klassiker. Sie stehen an Land und liefern in Österreich einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung.
Vorteile & Nutzen:
- Geringere Bau- und Wartungskosten
- Einfache Erschließung und Netzanbindung
- Große Bedeutung für die Energiewende in Mitteleuropa
Offshore-Windkraftanlagen (im Meer)
Offshore-Anlagen stehen im Meer, wo besonders starke und konstante Winde wehen.
Vorteile & Nutzen:
- Höhere Stromproduktion durch stärkere Windressourcen
- Große Anlagen möglich (hohe Leistung pro Anlage)
- Weniger Konflikte hinsichtlich Lärmschutz oder Landschaftsbild
Nearshore-Anlagen (küstennahe Zonen)
Nearshore-Anlagen stehen im flachen Wasser nahe der Küste oder unmittelbar an Küstenlinien.
Vorteile & Nutzen:
- Leichtere Erschließung und Wartung als Offshore-Anlagen
- Höhere Windressourcen als an Land
- Gute Ergänzung im Gesamtsystem
Einteilung nach Leistung & Baugröße
Mikrowindanlagen
Kleine Windräder, die vor allem zur Eigenversorgung – beispielsweise bei Einfamilienhäusern – eingesetzt werden.
Mittelgroße Anlagen
Windräder, die Gemeinden, lokale Betriebe oder kleinere Energieprojekte mit Strom versorgen.
Großanlagen
Die klassischen, weithin sichtbaren Windräder in Windparks. Sie erzeugen große Mengen Strom und bilden das Rückgrat der Windenergieproduktion.
Sonderformen und neue Entwicklungen
Die Technologie entwickelt sich stetig weiter. Zu den innovativen Ansätzen in der Windkraft gehören:
- Schwimmende Windturbinen: Für tiefe Gewässer, in denen Fundamente nicht möglich sind
- Hybride Windkraftanlagen: Kombination von Wind- und Solartechnik auf einer Plattform
- Leistungsstärkere XXL-Turbinen: Rotoren mit über 250 Metern Durchmesser
- Leichtere Materialien & modulare Designs: Für effizienteren Transport und schnellere Montage
Windkraftanlagen in Österreich

In der Verteilung von Windkraftanlagen in Österreich gibt es deutliche regionale Unterschiede. Während in den östlichen Bundesländern wie Niederösterreich und Burgenland zahlreiche Windräder stehen und fleißig nachhaltigen Strom produzieren, sieht es im Westen Österreichs schlecht aus. Warum ist das so?
Die Verteilung von Windkraftanlagen in Österreich im Bundesländervergleich
- Niederösterreich: Etwa 797 Windkraftanlagen.
- Burgenland: Etwa 461 Windkraftanlagen.
- Steiermark: 118 Windkraftanlagen.
- Oberösterreich: 31 Windkraftanlagen.
- Kärnten: 10 Windkraftanlagen.
- Wien: 9 Windkraftanlagen.
- Salzburg: Keine bedeutenden Windkraftanlagen.
- Tirol: Keine bedeutenden Windkraftanlagen.
- Vorarlberg: Keine bedeutenden Windkraftanlagen
Warum gibt es in den westlichen Bundesländern keine Windkraftanlagen?
Politische Rahmenbedingungen
Das Fehlen von Windkraftanlagen in Salzburg, Tirol und Vorarlberg lässt sich auf politische Rahmenbedingungen und fehlendes Engagement zurückführen. In diesen Regionen gibt es genug Wind, um Strom zu erzeugen. Die Regierungen der Bundesländer haben jedoch keine Maßnahmen zur Förderung der Windkraft ergriffen. Politisches Engagement und Commitment sind notwendig, um den Bau von Windrädern in den einzelnen Bundesländern zu realisieren.
Geografische Voraussetzungen
Die Windverhältnisse in den Alpen sind stark und stabil. Somit sind sie für Windkraftanlagen geeignet.
Allerdings sind die Errichtung und Wartung von Windkraftanlagen in hochalpinen Regionen technisch anspruchsvoller und kostspieliger als in flacheren Gebieten. Auch derer Transport von Bauteilen und die Installation der Anlagen sind logistisch komplexer. Diese Faktoren erschweren die Errichtung von Windkraftanlagen zwar, machen sie aber nicht unmöglich.
Landschaftsbild und Tourismus
Oftmals wir das Landschaftsbild als ein Faktor genannt. In den westlichen Bundesländern wird häufig argumentiert, dass Windräder die ästhetische Erscheinung der Alpenlandschaft beeinträchtigen würden und somit Tourismus stören könnten.
Langwierige Genehmigungsverfahren
Langwierige Genehmigungsverfahren stellen ein weiteres Hindernis dar. In den westlichen Bundesländern sind Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen oft kompliziert und langwierig, was den Ausbau der Windenergie erschwert.
Es gibt also Faktoren, welche die Errichtung von Windkraftanlagen im Westen Österreichs erschweren, allerdings nicht unmöglich machen. Damit die Ausbauziele gelingen, ist es essentiell, dass auch Salzburg, Tirol und Vorarlberg ihren Beitrag zur Erzeugung von Windkraft leisten. Denn, dass die Wartung von Windrädern im Alpinen Gebiet funktioniert und es sich lohnt, langwierige Genehmigungsverfahren auf sich zu nehmen, haben wir mit unseren Projekten bereits unter Beweis gestellt.
Ausblick

Die österreichische Bundesregierung hat das Ziel, bis 2030 ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu verwenden. Dafür ist ein umfassender Ausbau der Windenergie mit einer Zielmenge von 10 TWh erforderlich. Das entspricht einer Verdopplung der aktuellen Windkraftleistung.
Aktuell deckt Strom aus Windenergie etwa 11% des österreichischen Stromverbrauchs ab. Die Mehrheit der 1347 Windräder in Österreich befindet sich in Niederösterreich und dem Burgenland.
Um die Ausbauziele bis 2030 zu erreichen, müssen auch Standorte mit geringerer Windkraft in Betracht gezogen werden. Insbesondere in den westlichen Bundesländern und Kärnten. Bis 2030 könnten in Westösterreich 1.000 MW Windkraftleistung genutzt werden. Das ist vergleichbar mit der derzeitigen Leistung im Burgenland.
Auch Wien Energie engagiert sich aktiv für den Ausbau der Windkraft. Wir planen, die Anzahl unserer Windkraftanlagen in den kommenden Jahren zu verdoppeln.


