Die optimale Vorlauftemperatur einer Wärmepumpe
Der Einsatz einer Wärmepumpe als zentrales Heizelement in modernen Heizsystemen wird immer beliebter. Ein wichtiger Faktor für die Effizienz einer solchen Anlage ist die richtige Vorlauftemperatur. Doch was genau bedeutet das und wie lässt sich die optimale Vorlauftemperatur einstellen? Wir klären auf!
Das Wichtigste in Kürze
- Die Vorlauftemperatur bezeichnet die Temperatur des Wassers, bevor es in das Heizsystem gelangt.
- Die Vorlauftemperatur ist entscheidend für die Effizienz einer Wärmepumpe.
- Eine niedrige Vorlauftemperatur erhöht die Effizienz und senkt die Betriebskosten.
- Die Vorlauftemperatur ist abhängig vom Wärmepumpensystem.
- Die optimale Vorlauftemperatur hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Außentemperatur, der Heizlast des Gebäudes und dem Heizsystem.
Was ist die Vorlauftemperatur bei einer Wärmepumpe?
Unter Vorlauftemperatur versteht man die Temperatur des Wassers, das von der Wärmepumpe erwärmt und in das Heizungssystem des Gebäudes gepumpt wird. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Energieeffizienz und den damit verbundenen Heizkosten.
Eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur sorgt nicht nur für eine effiziente Nutzung, sondern trägt auch wesentlich zum Wohnkomfort bei.
Welche Faktoren beeinflussen die Vorlauftemperatur?
Mehrere äußere Faktoren haben einen direkten Einfluss auf die Einstellung der benötigten Vorlauftemperatur:
Außentemperatur
Sinkt die Außentemperatur unter einen gewissen Wert, muss die Vorlauftemperatur erhöht werden, um eine konstante Raumtemperatur zu gewährleisten.
Heizlast des Gebäudes
Die erforderliche Heizleistung hängt unter anderem von der Wärmedämmung und dem Volumen des zu beheizenden Raumes ab.
Heizsystem
Verschiedene Heizsysteme benötigen unterschiedliche Vorlauftemperaturen für einen effizienten Betrieb.
Die Vorlauftemperatur verschiedener Heizsysteme

Die Art des Heizsystems ist entscheidend für die Bestimmung der Vorlauftemperatur.
Fußbodenheizung
Benötigt eine niedrigere Vorlauftemperatur von maximal 35 °C, da die Wärmeübertragungsfläche größer ist als bei traditionellen Heizkörpern.
Deckenstrahler
Bei Deckenstrahlern reicht eine Vorlauftemperatur von 30 °C bis 35 °C. Da die Wärme von der Decke abstrahlt, verteilt sich die Wärme angenehm im gesamten Raum.
Niedrigtemperaturheizkörper
Sie sind für niedrige Vorlauftemperaturen ausgelegt und arbeiten effizienter als herkömmliche Heizkörper. Sie kommen mit einer Temperatur zwischen 40 °C und 45 °C aus.
Konventionelle Heizkörper
Erfordern eine höhere Vorlauftemperatur (ca. 50 °C bis 60 °C), um eine effektive Wärmeabgabe zu gewährleisten. Sie sind vor allem in älteren Gebäuden zu finden.
Welche Auswirkungen hat die Vorlauftemperatur auf die Wärmepumpe?
Eine zu hohe Vorlauftemperatur kann die Effizienz der Wärmepumpe deutlich verringern, da mehr Energie für die Erwärmung des Wassers aufgewendet werden muss.
Eine niedrigere Vorlauftemperatur hingegen erhöht die Effizienz und senkt die Betriebskosten. Ist die Vorlauftemperatur aber zu niedrig eingestellt, werden die Räume nicht ausreichend beheizt.
Wie stellt man die Vorlauftemperatur von Wärmepumpen richtig ein?

Die Einstellung der Vorlauftemperatur erfolgt in der Regel über die Steuerungseinheit der Wärmepumpe oder über ein zentrales Heizungsmanagementsystem. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:
Manuelle Einstellung
Bei älteren oder einfacheren Systemen kann die Vorlauftemperatur direkt am Gerät oder über ein Raumthermostat eingestellt werden.
Dabei sollte man sich an den für das jeweilige Heizsystem empfohlenen Temperaturbereichen orientieren.
Witterungsgeführte Regelung (Heizkurve)
Moderne Wärmepumpen verfügen über eine intelligente Steuerung. Das heißt, dass die Vorlauftemperatur sich in Abhängigkeit von der Außentemperatur und der gewünschten Raumtemperatur einstellt. Dies ist durch die eingestellte Heizkurve möglich.
Je kälter es draußen ist, desto höher wird die Vorlauftemperatur eingestellt – und umgekehrt. Die Heizkurve kann individuell angepasst werden. Die Steilheit der Kurve definiert, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur ansteigt. Mittels Parallelverschiebung kann darüber hinaus die gesamte Kurve nach oben oder unten geschoben werden, um das Temperaturniveau zu verändern.
Eine effektive Einstellung der Vorlauftemperatur erfordert eine sorgfältige Abstimmung mit den Gegebenheiten des Gebäudes und der Witterung. Für die Einstellung der optimalen Heizkurve spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- Gebäudedämmung: Gut gedämmte Gebäude benötigen weniger Heizenergie und kommen mit niedrigeren Vorlauftemperaturen aus.
- Fensterqualität: Moderne, mehrfach verglaste Fenster reduzieren den Wärmeverlust.
- Raumhöhe und -größe: Große oder hohe Räume benötigen mehr Heizleistung.
- Heizflächen: Fußbodenheizungen oder große Heizkörper ermöglichen niedrigere Vorlauftemperaturen.
- Witterung: Je nach Außentemperatur muss die Vorlauftemperatur angepasst werden, um den gewünschten Wohnkomfort zu gewährleisten.
Gibt es Unterschiede bei der Vorlauftemperatur verschiedener Wärmepumpentypen?
Ja, die Vorlauftemperatur kann je nach Wärmepumpensystem variieren:
Luft-Wasser-Wärmepumpen
Mehr Infos zu Luft-Wasser-WärmepumpenSind von der Temperatur der Umgebungsluft abhängig.
Sie erzeugen eine geringe Vorlauftemperatur im Bereich von 30 °C bis 50 °C.
Wasser-Wasser-Wärmepumpen
Sie nutzen das Grundwasser als Wärmequelle.
Je nachdem, welche Temperatur das Grundwasser aufweist, ist eine Vorlauftemperatur zwischen 40 °C und 60 °C möglich.
Erd-Wasser-Wärmepumpen
Sie profitieren von der konstanteren Temperatur des Erdreichs, was oft eine niedrigere und konstantere Vorlauftemperatur zwischen 35 °C und 55 °C ermöglicht.
Hybrid-Wärmpumpen
Sie kombinieren eine Wärmepumpe mit einer konventionellen Heizungsanlage. Sie erreichen Vorlauftemperaturen von bis zu 70 °C.
Da die Temperatur flexibel angepasst werden kann, sind Temperaturen ab 30 °C möglich.
Hochtemperatur Wärmepumpen
Sie schaffen Vorlauftemperaturen von 80 °C und höher. Sie sind demnach vor allem für ältere Gebäude relevant, wo konventionelle Heizungssysteme vorhanden sind.
Fazit für Wärmepumpen im Privathaushalt
Die Vorlauftemperatur einer Wärmepumpe ist entscheidend für ihre Effizienz und den Komfort im Gebäude. Sie hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von der Art des Heizsystems, der Außentemperatur und den spezifischen Eigenschaften des Gebäudes sowie der Energiekennzahl des Gebäudes. Werden bauliche Maßnahmen getroffen, z.B. in dem Fenster und Türen getauscht werden, das Gebäude thermisch saniert wird, können Wärmepumpen auch in älteren Gebäuden gut eingesetzt werden. Die Anschaffung von Wärmepumpen wird auch gefördert.
Durch eine sorgfältige Einstellung und den Einsatz intelligenter Regelungstechnik kann ein optimaler Betrieb erreicht werden. Das spart Energie und sorgt für ein angenehmes Raumklima. Eine niedrige Vorlauftemperatur macht das Heizsystem etwas träger, aber effizienter. D.h. möchte ich mein Gebäude auf eine höhere Temperatur bringen, ist die Differenz zwischen Raumtemperatur und Vorlauftemperatur geringer und es heizt sich deshalb weniger schnell auf.
Wie sieht die Vorlauftemperatur bei Großwärmepumpen aus?

Bis 2040 sollen über 50 Prozent der Wärme im Fernwärmenetz aus Geothermie und Wärmepumpen stammen. Großwärmepumpen versorgen nicht direkt einen Heizkreis mit Wärme, speisen die Wärme aber ins Fernwärmenetz ein. Sie erzielen Vorlauftemperaturen von über 90 °C.
Die Großwärmepumpe in der Spittelau entzieht dem Kondenswasser, das bei der Abkühlung des Rauchgases entsteht, 10 °C Wärme. Mittels moderner Wärmepumpentechnik kann daraus Wärme von ca. 90 °C erzeugt werden. Diese Wärme wird als Heißwasser in das Fernwärmenetz eingespeist.
Die Großwärmepumpe bei der ebswien Kläranlage nutzt z.B. die Abwärme aus dem gereinigten Klärwasser. Wien Energie entnimmt dem Klärwasser rund 6 °C Wärme und erzeugt damit Fernwärme mit über 90 °C. Daraus entsteht Fernwärme für 56.000 Wiener Haushalte.


